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Industrie erhält im Mai nach deutlichem Minus wieder etwas mehr Aufträge
Nach einem deutlichen Minus hat sich die Auftragslage der deutschen Industrie im Mai etwas besser entwickelt. Vor allem wegen einer Reihe von Großaufträgen legte der Auftragseingang für das Verarbeitende Gewerbe im Vergleich zum April um 1,9 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag mitteilte. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich ergibt sich weiterhin ein leichter Rückgang um 0,2 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ein sattes Plus um 6,2 Prozent.
Der Anstieg ist den Angaben zufolge in erster Linie auf Großaufträge im Sonstigen Fahrzeugbau zurückzuführen, die in der Kategorie für ein Plus um 85 Prozent sorgten. Hierzu gehören Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge. Auch der Auftragseingang im Maschinenbau und im Bereich Herstellung von elektrischer Ausrüstung entwickelte sich gut, während die Autoindustrie weniger Aufträge meldete.
Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen stieg der Auftragseingang um 1,0 Prozent, wie die Statistiker ausführten. Wie stark Großaufträge in den vergangenen Monaten das Bild verzerren, zeigt, dass die Auftragsentwicklung im Dreimonatsvergleich ohne Großaufträge mit plus 4,1 Prozent sogar deutlich positiv ausfiel.
"Nach Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten ist es nachfrageseitig zunächst zu Vorzieheffekten und im Anschluss zu einem erwartbaren Rückprall gekommen", erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Nun scheine der vorherige Aufwärtstrend wieder einzusetzen. "Allerdings ist die Entwicklung aufgrund von Großaufträgen nach wie vor sehr volatil."
Dieser "Rückprall" im April fiel allerdings nach Angaben des Statistischen Bundesamts etwas weniger massiv aus als gedacht. Die Statistikerinnen und Statistiker revidierten ihre vorläufigen Ergebnisse und gaben nun für April ein Minus von 3,2 Prozent anstelle von 3,8 Prozent aus.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) gab sich angesichts des Zuwachses im Mai vorsichtig zuversichtlich. "Der Zuwachs bei den Auftragseingängen lässt hoffen, dass die Industrie die Folgen des Nahostkonflikt besser verkraften konnte als befürchtet", erklärte DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen. Er verwies aber darauf, dass das Geschäft außerhalb der Eurozone und in EU-Drittstaaten rückläufig sei - hohe Kosten, lange Verfahren und bürokratische Lasten dämpften die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie.
ING-Analyst Carsten Brzeski stimmte einen ähnlichen Ton an. Die Auftragseingänge erholten sich zwar erst allmählich, erklärte er. "Trotz anfänglicher Befürchtungen, dass der Konflikt im Nahen Osten neue Störungen in den Lieferketten auslösen könnte, scheint die deutsche Industrie alles in allem mit kaum mehr als einem blauen Auge davongekommen zu sein."
C.Hamad--SF-PST