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Evergrande-Gründer in China zu lebenslanger Haft verurteilt
Schlussstrich nach dem Zusammenbruch des einst größten Immobilienkonzern Chinas: Der Gründer des insolventen Immobilienriesen Evergrande, Xu Jiayin, ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden, wie das zuständige Gericht am Donnerstag in Shenzhen im Onlinedienst WeChat verkündete. Xu würden zudem lebenslänglich alle politischen Rechte entzogen, sein gesamtes persönliches Eigentum werde beschlagnahmt. Evergrande wurde demnach fünf Jahre nach der vielbeachteten Zahlungsunfähigkeit des Immobilienriesen zu einer Milliardenzahlung verurteilt.
Der auch unter dem kantonesischen Namen Hui Ka Yan bekannte Xu war unter anderem Korruption, Finanzbetrug, Untreue und Unterschlagung vorgeworfen worden. Laut früheren Gerichtsangaben hatte er sich in dem Prozess "schuldig bekannt und Reue gezeigt".
Das Gericht im Süden Chinas verhängte zudem gegen Evergrande und seine Immobiliensparte Geldstrafen in Höhe von insgesamt 15,82 Milliarden Yuan (rund zwei Milliarden Euro). Zwischen 2016 und 2021 hätten Evergrande und Xu in seiner Funktion als Unternehmenschef "gegen nationale Gesetze verstoßen, indem sie fortlaufend großangelegten Finanzbetrug und andere Methoden zur Aufblähung von Vermögenswerten und zur Verschleierung von Schulden betrieben" hätten, teilte das Gericht mit.
Die Beteiligten hätten sich außerdem "durch Bestechung Kontrolle über Finanzinstitutionen verschafft". Genannt wurden die Institutionen nicht.
Das Urteil besiegelt den spektakulären Sturz von Xu. Er war einst einer der reichsten Milliardäre Chinas und Mitglied des höchsten politischen Beratungsgremiums der Kommunistischen Partei.
Fünf weitere ranghohe Führungskräfte von Evergrande wurden am Donnerstag ebenfalls zu Haftstrafen zwischen sechs und 18 Jahren unter anderem wegen Betrugs verurteilt, wie das Gericht in Shenzhen mitteilte. Insgesamt wurden 56 Menschen zu Haftstrafen verurteilt - darunter auch zwei Söhne von Xu, wie die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete.
Evergrande war der größte Immobilien- und Baukonzern der Volksrepublik. Sein Niedergang steht exemplarisch für die Probleme des Sektors: Er war dank jahrzehntelanger rasanter Urbanisierung und steigender Lebensstandards massiv gewachsen und dann unter einer zu großen Kreditlast kollabiert. 2021 meldete Evergrande Insolvenz an. Er hat umgerechnet mehr als 300 Milliarden Euro Schulden angehäuft.
Die Krise auf Chinas Immobilienmarkt, der lange ein Wachstumstreiber war, hat die Wirtschaft des Landes schwer getroffen. Die Schuldenprobleme von Evergrande und anderen Immobilienkonzernen haben das Verbrauchervertrauen stark beeinträchtigt und halten nach weiterhin potenzielle Immobilienkäufer vom Kauf ab.
Die Regierung in Peking versucht, tiefsitzende Probleme im Immobiliensektor zu bewältigen und gleichzeitig die Turbulenzen für die Binnenwirtschaft so gering wie möglich zu halten. Die Urteile vom Donnerstag seien ein "entscheidendes Signal dafür, dass die Zentralregierung ihren politischen Kurs nicht geändert hat (und) den Immobiliensektor nicht retten wird", sagte der Direktor des China-Teams der Euroasia Group, Dan Wang, der Nachrichtenagentur AFP. Sie seien ein Signal an die Unternehmen, dass sie "schuldenbewusst" handeln müssten.
N.Awad--SF-PST