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Französischer Blauhelmsoldat im Süden des Libanon getötet - Macron beschuldigt Hisbollah
Einen Tag nach Inkrafttreten der Waffenruhe zwischen dem Libanon und Israel ist ein französischer Blauhelmsoldat bei einem Angriff im Süden des Libanon getötet worden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron machte für den Angriff am Samstag die pro-iranische Hisbollah verantwortlich. Während die libanesische Regierung ankündigte, "die Angreifer zur Verantwortung zu ziehen", ging die Hisbollah hinsichtlich weiterer Verhandlungen mit Israel auf deutlichen Konfrontationskurs zu Beirut und wies jegliche Verantwortung für den Angriff von sich.
Macron erklärte in Bezug auf die Unifil-Mission im Libanon, dass Frankreich die libanesischen Behörden auffordere, "die Täter unverzüglich festzunehmen und gemeinsam mit der Unifil ihre Verantwortung wahrzunehmen". Die Behörden müssten zudem "alles tun, um die Sicherheit der Unifil-Soldaten zu gewährleisten", hieß es in einer Erklärung des Elysée-Palasts. Die Blauhelme dürften "unter keinen Umständen zur Zielscheibe werden". Libanons Präsident Joseph Aoun verurteilte den Angriff ebenfalls und sicherte die juristische Verfolgung der Verantwortlichen zu.
Die französische Verteidigungsministerin Catherine Vautrin sprach auf X von einem "Hinterhalt". Ihr zufolge wurde der Franzose "durch einen direkten Schuss aus einer Handfeuerwaffe" getötet. Er war demnach im Einsatz, um einen Weg zu einem UN-Posten freizumachen, "der seit mehreren Tagen durch die Kämpfe in der Region isoliert war".
Der Hinterhalt sei "von einer bewaffneten Gruppe aus nächster Nähe" erfolgt, erklärte Vautrin weiter. Sie fügte hinzu, dass der französische Blauhelmsoldat von seinen Kameraden "unter Beschuss geborgen" worden sei.
Libanons Regierungschef Nawaf Salam verurteilte "den heutigen Angriff auf Mitglieder des französischen Unifil-Bataillons aufs Schärfste". Er habe "Anweisungen für eine sofortige Untersuchung gegeben, um die Umstände dieser Attacke aufzuklären und die Angreifer zur Verantwortung zu ziehen". Der libanesische Armee zufolge kam es bei dem Vorfall zu einem "Schusswechsel mit Kämpfern".
Die Unifil sprach von einem "vorsätzlichen" Angriff. Die UN-Mission erklärte, dass der Beschuss einer ersten Einschätzung zufolge "von nichtstaatlichen Akteuren ausging". "Mutmaßlich" handele es sich um die Hisbollah. Die Regierung müsse die Täter "zur Rechenschaft ziehen".
In der Nacht zu Freitag war eine zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon in Kraft getreten. Libanons Präsident Aoun sagte am Freitag in einer Rede an die Nation, direkte Verhandlungen mit Israel seien "kein Zeichen der Schwäche". Der Libanon sei nicht mehr "das Faustpfand im Spiel" der anderen oder "der Schauplatz der Kriege" anderer Akteure.
Vielmehr habe die libanesische Regierung die Entscheidungsgewalt im Land zum ersten Mal in fast einem halben Jahrhundert wieder an sich gezogen, sagte Aoun in Anspielung auf die vom Iran unterstützte und in seinem Land einflussreiche Hisbollah-Miliz. Diese hatte nach Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar Raketenangriffe auf Israel gestartet - und den Libanon damit in den Krieg der USA und Israels gegen den Iran hineingezogen.
Die Hisbollah wies in einer Erklärung jegliche "Verbindung zu dem Angriff" gegen die Unifil zurück und warnte vor voreiligen Urteilen, so lange die Untersuchungen der libanesischen Armee noch liefen. Sie zeigte sich zudem abweisend hinsichtlich der geplanten direkten Gesprächen zwischen dem Libanon und Israel. Die Gespräche beträfen die Miliz nicht, sagte der hochrangige Hisbollah-Funktionär Mahmud Kamati am Samstag vor Journalisten in einer Hisbollah-Hochburg im Süden von Beirut. Die Hisbollah sei "nicht an den vom Staat geführten Verhandlungen interessiert". Die Gespräche zwischen dem Libanon und Israel seien ein "Fehlschlag, schwach, gescheitert".
Libanons Präsident Aoun und Regierungschef Salam besprachen derweil am Samstag Vorbereitungen für Verhandlungen mit Israel. Die beiden Politiker hätten "Bilanz (...) der laufenden Bemühungen zur Festigung" der Waffenruhe gezogen, hieß es in einer Erklärung des Präsidentenpalastes. Sie erörterten zudem "die Verhandlungsbereitschaft des Libanon" gegenüber Israel.
US-Präsident Donald Trump hatte diese Waffenruhe am Donnerstag angekündigt. Er erwarte, dass Aoun und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sich "in den nächsten vier oder fünf Tagen" im Weißen Haus treffen würden.
Israels Armee teilte derweil mit, sie habe im Süden des Libanon eine sogenannte Gelbe Linie eingerichtet, hinter die sich die israelischen Streitkräfte zurückgezogen haben. In den vergangenen 24 Stunden seien "Terroristen" angegriffen worden, die "gegen die Waffenruhe-Vereinbarungen verstießen" und sich von Norden aus der Gelben Linie auf bedrohliche Weise genähert hätten.
Die Armee wies darauf hin, dass Israel gemäß dem Abkommen weiterhin berechtigt sei, gegen die Hisbollah vorzugehen, um "geplante, unmittelbar bevorstehende oder bereits laufende Angriffe" zu verhindern.
J.Saleh--SF-PST