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Libanesische Armee warnt Bewohner trotz Waffenruhe vor Rückkehr in den Süden
Trotz des Inkrafttretens einer Waffenruhe zwischen den lange verfeindeten Nachbarländern Libanon und Israel hat die libanesische Armee Vertriebene vor einer Rückkehr in den Süden des Landes gewarnt. In der Region gebe es weiterhin "zahlreiche israelische Aggressionen", erklärte die libanesische Armee am Freitag. Vertriebene sollten sich noch etwas gedulden, hieß es weiter.
Die zehntägige Waffenruhe hatte um Mitternacht Ortszeit (23.00 Uhr MESZ) begonnen. Die libanesische Armee erklärte am Freitagmorgen jedoch im Onlinedienst X, es seien bereits mehrere Verstöße durch Israel registriert worden. Die Hisbollah-Miliz teilte ihrerseits mit, sie habe als Vergeltungsmaßnahme "eine Ansammlung israelischer Soldaten" bombardiert.
Ungeachtet der Warnung des Militärs machten sich zahlreiche Menschen in den Süden des Landes auf. Bilder der Nachrichtenagentur AFP zeigten Fahrzeug-Kolonnen auf einer nach Süden führenden Küstenstraße. Die Autos waren mit allerlei Habseligkeiten beladen und stauten sich vor der teilweise zerstörten Brücke von Kasmijeh. Sie war am Donnerstag bei einem israelischen Angriff stark beschädigt worden. Am Freitagmorgen war die libanesische Armee dabei, das Bauwerk zu reparieren.
Sie habe die Warnung der Armee zur Kenntnis genommen, sagte Alaa Damasch einem AFP-Reporter. Dennoch habe sie sich wie viele andere auf den Weg gemacht. Die "Liebe der Menschen zu ihrem Land und ihren Häusern" sei einfach zu groß, führte sie weiter aus.
"Zum Glück kehren wir nach Hause zurück und sind trotz der Bomben siegreich", sagte der 35-jährige Mohammad Abu Raja. "Auch wenn es unser Zuhause nicht mehr gibt, ist es wichtig, auf unser Land zurückzukehren", fügte er hinzu.
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Damals feuerte die Hisbollah als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze. Bei den israelischen Angriffen wurden libanesischen Angaben zufolge bisher fast 2200 Menschen getötet. Rund eine Million Menschen wurden vertrieben.
Die jüngste Waffenruhe war unter Vermittlung der USA zustande gekommen. Erstmals seit drei Jahrzehnten hatten am Dienstag diplomatische Vertreter Israels und der Libanon direkte Gespräche geführt, die allerdings ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen war. Der libanesische Präsident Joseph Aoun hatte Friedensverhandlungen in der Folge von einer Waffenruhe abhängig gemacht.
Z.AlNajjar--SF-PST