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Mindestens 14 Tote bei Israels Angriffen im Libanon - Armee nimmt Litani-Fluss ins Visier
Im Libanon sind bei israelischen Luftangriffen auf das Zentrum der Hauptstadt Beirut und die Küstenstadt Sidon laut Behörden mindestens 14 Menschen getötet worden. Bei den Angriffen in Beirut, die teilweise ohne vorherige Evakuierungswarnung erfolgten, starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Mittwoch mindestens zwölf Menschen. Einer der Toten war nach Senderangaben ein Abteilungsleiter des Hisbollah-nahen Senders Al-Manar. Israels Armee kündigte zudem Angriffe auf Brücken des Litani-Flusses im Südlibanon an.
Bei den Luftangriffen auf das Beiruter Zentrum wurden den Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums zufolge zudem mehr als 40 Menschen verletzt. Die Angriffe trafen drei dicht besiedelte Viertel, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten.
Zwei der israelischen Luftangriffe im Beiruter Zentrum gingen laut der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA im Viertel Sukak al-Blat nieder, das in der Nähe zum Regierungssitz und zu verschiedenen Botschaften liegt. Der Sender al-Manar berichtete, der Politikchef seiner Redaktion sowie dessen Frau seien bei einem der Angriffe getötet worden, die Kinder und Enkel des Paares seien verletzt worden. Der Sender steht der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz im Libanon nahe.
Ein weiterer Angriff in Sukak al-Blat galt nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums einem Gebäude, in dem sich Büros einer der Hisbollah nahestehende Finanzgesellschaft befanden. Zudem wurde ein Gebäude im Stadtteil Baschura, ebenfalls im Zentrum von Beirut, nach einer israelischen Evakuierungsaufforderung angegriffen. Die israelische Armee griff zudem erneut die als Hisbollah-Hochburg bekannten südlichen Vororte von Beirut an.
In der weiter südlich gelegenen Küstenstadt Sidon wurde ein Auto getroffen. Zwei Menschen, darunter ein Rettungshelfer des Zivilschutzes, wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums getötet. In der Küstengegend halten sich viele Libanesen und Libanesinnen auf, die vor den israelischen Angriffen aus anderen Gebieten geflohen waren. Wie ein AFP-Journalist berichtet, übernachten viele der Vertriebenen dort in ihren Autos.
Die Armee griff nach eigenen Angaben zudem "Terrorziele" der Hisbollah im Südlibanon an. Allein in der Umgebung von Tyros gab es laut NNA mindestens vier Luftangriffe. Weitere Attacken stünden unmittelbar bevor, erklärte Israels Militär weiter. Die Armee hatte die Menschen in der südlibanesischen Küstenstadt bereits am Dienstagabend zur Evakuierung aufgefordert. Die Bewohnerinnen und Bewohner versuchten, sich weiter im Norden in Sicherheit zu bringen.
Später am Mittwoch kündigte Israels Militär an, verstärkt Brücken und Übergänge über den Fluss Litani ins Visier zu nehmen, um den Süden des Libanon vom Rest des Landes abzuschneiden. So solle die Hisbollah daran gehindert werden, Verstärkung und Waffen zu transportieren.
Der Fluss Litani spielt seit Jahren eine wichtige Rolle für die Anstrengungen, die Hisbollah-Miliz zurückzudrängen. Die Regierung in Beirut hatte im vergangenen Jahr die libanesische Armee angewiesen, bis Ende 2025 die militärische Infrastruktur der Hisbollah südlich des Litani zu zerstören und die Hisbollah anschließend auch im Rest des Landes zu entwaffnen. Aus Israels Sicht setzte die libanesische Armee dieses Vorhaben jedoch nur unzureichend um. Bereits Ende 2025 hatte die israelische Armee ihre Angriffe auf die Hisbollah verstärkt.
Seit Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar eskalierte der Konflikt zwischen Israel und der vom Iran finanzierten Miliz dann wieder massiv. Nach Angaben der libanesischen Behörden wurden seither mehr als 900 Menschen getötet, darunter mindestens 111 Kinder. Hunderttausende Menschen seien durch die Gefechte vertrieben worden. Seit der Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei bei US-israelischen Angriffen am ersten Kriegstag feuert die Hisbollah Raketen auf Israel ab.
Israel beschießt immer wieder Hisbollah-Ziele im Libanon und rückte inzwischen auch mit Bodentruppen auf libanesisches Territorium im Grenzgebiet vor. Die Hisbollah und die Hamas gehören wie die Huthi-Miliz im Jemen zu der vom Iran angeführten "Achse des Widerstands", deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist.
Offiziell gilt seit November 2024 zwischen Israel und der Hisbollah eine Waffenruhe. Israel wirft der Miliz jedoch vor, sich wieder zu bewaffnen, und macht die von der libanesischen Regierung zugesagte vollständige Entwaffnung der Miliz zur Bedingung für ein Ende seiner Angriffe im Süden des Libanon.
Deutschland und vier weitere westliche Staaten riefen Israel am Montag zum Verzicht auf eine großangelegte Bodenoffensive auf.
R.Halabi--SF-PST