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Krise der Autobauer: VDA-Präsidentin dringt auf bessere Standortbedingungen
Vor der VW-Aufsichtsratssitzung am Donnerstag hat der Spitzenverband der deutschen Autobauer "einschneidende Reformen" angemahnt, damit die Branche wieder auf einen Wachstumskurs einschwenken könne. "Alles, was Wachstum schafft, muss Priorität haben – sei es mit Blick auf die Sozialabgaben, Steuern, Energiepreise, Bürokratieaufwand oder auch Flexibilisierungen am Arbeitsmarkt", erklärte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller. Auch bei den Autobauern selbst sind demnach Anpassungen nötig - dazu gehörten neben Kostendisziplin "leider auch notwendige Personalanpassungen".
Die notwendigen Entscheidungen "werden von uns allen Veränderungsbereitschaft verlangen", erklärte Müller am Mittwoch in Berlin. Den Handlungsbedarf zu leugnen sei jedoch "keine Option". In den anstehenden Diskussionen gehe es vielmehr darum, "die notwendige Grundlage dafür zu gestalten, dass Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich investieren, wachsen und neue Arbeitsplätze in Deutschland schaffen können". Angesichts des verschärften internationalen Wettbewerbs gebe es zu einer Kurskorrektur in Berlin und Brüssel "keine realistische Alternative".
Müller hob die "im internationalen Vergleich schlechten Standortbedingungen in Deutschland und Europa" hervor. "Die Standortkrise trifft die gesamte europäische Industrie, die Folgen sind täglich sichtbar und spürbar - und sie werden zunehmend dramatischer", warnte die VDA-Präsidentin. "Die Werke bei Herstellern und Zulieferern werden wir so nicht alle halten können", fügte sie hinzu. Die Standorte hier sollten daher "auch für ausländische Hersteller" geöffnet werden, forderte Müller. "Mit jedem Standort, den wir hier halten können, sichern wir Arbeitsplätze."
Die Unternehmen der Branche sieht Müller vor der Aufgabe, neben "Kostendisziplin" und "Personalanpassungen" auch "tiefgreifende Reformen der Geschäftsmodelle" anzugehen. "Diese Entscheidungen sind schwierig und müssen im Dialog mit allen Beteiligten ausgestaltet werden", erklärte sie.
Bei Volkswagen in Wolfsburg kommt am Donnerstag der Aufsichtsrat zu einer Sitzung zusammen, die angesichts des geplanten Sparkurses des Konzerns mit Spannung erwartet wird. In Medienberichten war zuletzt von global bis zu 100.000 Stellenstreichungen die Rede, zudem könnten vier Werke in Deutschland mittelfristig dicht gemacht werden. VW bestätigte dies nicht konkret, sprach jedoch von "tiefgreifenden" Veränderungen, die bevorstünden.
Begleitet wird die Aufsichtsratssitzung von Protesten von Gewerkschaftsseite. Die IG Metall plant nach eigenen Angaben für Donnerstag "an allen Standorten des VW-Konzerns in Deutschland Aktionen". Die erste Vorsitzende der Industriegewerkschaft, Christiane Benner, appellierte im Vorfeld an den Vorstand des Autobauers, sich um das "Optimierungspotenzial zwischen den Marken und bessere Zusammenarbeit" zu kümmern, anstatt "Versäumnisse der letzten Jahre auf dem Rücken der Belegschaft abzuladen".
Parallel dazu ist für Donnerstagnachmittag (ab 15.05 Uhr) auch eine aktuelle Stunde im Bundestag angesetzt. Auf Verlangen der Fraktionen von Union und SPD sollen sich die Abgeordneten damit befassen, wie die Zukunft der deutschen Automobilindustrie gestaltet werden kann. Dabei soll es auch um "erfolgreiche Reformschritte für Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und Innovation" gehen.
L.AbuTayeh--SF-PST