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Deutsch-französischer Rüstungskonzern KNDS verschiebt Börsengang - Bund hält an Einstiegsplan fest
Erst in der vergangenen Woche hatte die Bundesregierung den Einstieg beim Rüstungskonzern KNDS angekündigt - jetzt verschiebt das deutsch-französische Unternehmen seinen Börsengang. Angesichts der "Volatilität des europäischen Verteidigungssektors" solle auf "günstigere Marktbedingungen" gewartet werden, erklärte der Hersteller des Leopard-2-Kampfpanzers am Mittwochabend. Der Börsengang von KNDS in Paris und Frankfurt am Main sollte den Einstieg des Bundes bei dem Rüstungskonzern ermöglichen. Die Bundesregierung hält trotz der Verschiebung des Börsengangs an ihrem Plan zum Einstieg bei KNDS fest.
"KNDS und seine Aktionäre werden die Bedingungen an den Kapitalmärkten weiterhin genau beobachten", hieß es in der Erklärung des deutsch-französischen Rüstungskonzerns. Das Unternehmen stehe bereit, "den Börsengang wieder aufzunehmen, sobald die Marktbedingungen dies zulassen". Ein genauer Termin für den geplanten Börsengang war offiziell zuvor nicht genannt worden. In einer geheimen Vorlage des Bundesverteidigungsministeriums war aber von Anfang Juli die Rede gewesen - dies passiert nun nicht.
Erst Anfang vergangener Woche hatten Deutschland und Frankreich die Einigung auf eine Beteiligung der Bundesregierung an dem Rüstungskonzern verkündet. Durch den Aufschub des Börsengangs verzögert sich auch der Einstieg des Bundes bei KNDS. Die Kosten für diesen Einstieg wurden laut einem "Spiegel"-Bericht auf bis zu 7,2 Milliarden Euro geschätzt.
Die Bundesregierung betonte am Donnerstag, sie wolle trotz der Verschiebung des Börsengangs am Einstieg bei KNDS festhalten. "Wir sind weiter daran interessiert, gemeinsam mit den französischen Partnern das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft führen", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Die Bundesregierung respektiere die Entscheidung des Unternehmens, die Pläne für den Börsengang zu pausieren, und werde die Lage "weiterhin beobachten und bewerten".
Die Verhandlungen zum Einstieg des Bundes "fußten auf der Erwartung eines erfolgreichen Börsengangs, den das Unternehmen weiterhin in Betracht zieht", sagte dazu die Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums.
"Die Bundesregierung hatte in intensiven und konstruktiven Verhandlungen mit Frankreich und der Anteilseignerfamilie eine Verständigung auf Eckpunkte für eine Beteiligung erzielt, die ausgewogene Einflussrechte von Deutschland und Frankreich festschreibt", fügte sie hinzu. "Diese sichern einerseits den Schutz der beiderseitigen Sicherheitsinteressen auf Augenhöhe und legen andererseits die Grundlage für eine erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens."
Von französischer Seite hieß es, die Einigung zwischen Berlin und Paris aus der vergangenen Woche bleibe uneingeschränkt gültig. Das gemeinsame Ziel beider Länder bleibe klar: KNDS solle zu einem führenden Rüstungsunternehmen in Europa und weltweit gemacht werden.
KNDS stellt neben dem Kampfpanzer Leopard 2 auch den Schützenpanzer Puma, gepanzerte Boxer-Fahrzeuge und Artilleriesysteme wie die Panzerhaubitze 2000 her. Aktuell halten der französische Staat und die deutsche Eigentümerfamilie Wegmann jeweils 50 Prozent an KNDS.
Der französische Anteil sollte laut der von Paris und Berlin verkündeten Einigung im Zuge eines Börsengangs auf 40 Prozent sinken, der Bund sollte einen Anteil in derselben Höhe von der Wegmann-Familie übernehmen. Die restlichen 20 Prozent sollten an die Börse gebracht werden - dies wurde nun verschoben.
KNDS ist aus der Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Unternehmen Nexter hervorgegangen. Der Konzern hat insgesamt rund 11.000 Mitarbeiter. In Deutschland unterhält KNDS elf seiner weltweit 34 Standorte. Werke gibt es unter anderem in Hamburg, den nordrhein-westfälischen Städten Remscheid und Mühlheim an der Ruhr und im thüringischen Ebeleben. In Frankreich gibt es zehn KNDS-Standorte. Der Umsatz des Konzerns lag im vergangenen Jahr bei 4,4 Milliarden Euro.
Der Börsengang des deutsch-französischen Konzerns sollte eine der größten im europäischen Verteidigungssektor in jüngerer Zeit sein. Allerdings schwankten Rüstungsaktien, die in der Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine vor gut vier Jahren stark zugelegt hatten, zuletzt teilweise stark. Im Januar hatte beispielsweise der tschechische Rüstungskonzern CSG zwar einen starken Start beim Börsengang hingelegt. Inzwischen hat das Papier aber mehr als die Hälfte seines Wertes verloren.
T.Samara--SF-PST