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Ausbruch seltener Ebola-Variante im Kongo und in Uganda: WHO ruft Notlage aus
Nach dem Ausbruch einer seltenen Variante des Ebola-Virus in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda mit schon mehr als 80 Todesopfern hat die Weltgesundheitsbehörde (WHO) ihre zweithöchste Alarmstufe ausgerufen. Bei dem jüngsten Ausbruch der Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus handele es sich um eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite", erklärte die WHO am Sonntag. Der Ausbruch betrifft auch von Rebellen kontrollierte Gebiete im Kongo.
Der Ebola-Ausbruch war am Freitag in der von bewaffneten Konflikten betroffenen Provinz Ituri im Nordosten des Landes gemeldet worden, die an Uganda grenzt. In der Demokratischen Republik Kongo starben bereits 88 mutmaßlich mit der Bundibugyo-Virusvariante infizierte Menschen, wie die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union (CDC) am Samstag erklärte. Den Behörden zufolge starb auch im benachbarten Uganda ein kongolesischer Staatsbürger, bei dem die Bundibugyo-Variante nachgewiesen wurde.
Insgesamt gebe es fast 336 Verdachtsfälle, die tatsächlichen Fallzahlen könnten jedoch deutlich höher liegen, warnte die WHO. Die Kriterien für die höchste Alarmstufe, eine Pandemie, erfülle der Ausbruch bislang nicht, betonte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus im Onlinedienst X.
Es gebe "weder einen Impfstoff noch eine spezifische Behandlung" gegen den Bundibugyo-Virusstamm, erklärte der kongolesische Gesundheitsminister Samuel-Roger Kamba am Samstag. Zudem weise die Variante "eine sehr hohe Sterblichkeitsrate auf, die bis zu 50 Prozent betragen" könne.
Der erste bestätigte Fall, der sogenannte Patient Null, war nach Angaben des Gesundheitsministeriums ein Krankenpfleger, der sich bereits am 24. April mit auf Ebola hindeutenden Symptomen in einer Gesundheitseinrichtung in Bunia, der Provinzhauptstadt von Ituri, gemeldet hatte. Der Ausbruchsherd liegt in einem schwer zugänglichen Gebiet.
Am Sonntag wurde auch eine Infektion in der von den M23-Rebellen kontrollierten Großstadt Goma, der Hauptstadt von Ituris Nachbarprovinz Nord-Kivu, bestätigt. Es handele sich um die Frau eines in Bunia an der Ebola-Variante verstorbenen Mannes, teilte das Nationale Institut für biomedizinische Forschung der Nachrichtenagentur AFP mit.
Nord-Kivu grenzt an Ruanda. Die Grenze wurde nach Angaben aus Behördenkreisen und laut AFP-Journalisten vor Ort am Sonntag für Nicht-Ruander geschlossen.
"Die Zahl der Infektions- und Todesfälle, die wir innerhalb so kurzer Zeit beobachten, sowie die Ausbreitung über mehrere Gesundheitsbezirke und nun auch über die Grenze hinweg sind äußerst besorgniserregend", sagte die Leiterin des Notfallprogramms von Ärzte ohne Grenzen, Trish Newport. Ihre Hilfsorganisation bereite daher eine "groß angelegte Hilfsaktion" vor.
Der Transport medizinischer Ausrüstung ist in der Demokratischen Republik Kongo allerdings eine Herausforderung: Das Land ist mehr als sechs Mal so groß wie Deutschland und die Infrastruktur ist schlecht.
Isaac Nyakulinda, ein Vertreter der örtlichen Zivilgesellschaft, schilderte AFP: "Seit zwei Wochen sehen wir, wie Menschen sterben. Es gibt keinen Ort, wo man die Kranken isolieren kann. Sie sterben zu Hause, und ihre Leichen werden von ihren Angehörigen bestattet."
Das Auswärtige Amt in Berlin warnte am Sonntag, auch wenn aus Uganda bislang nur ein Todesopfer durch die Bundibugyo-Variante gemeldet worden sei, sei angesichts des regen Grenzverkehrs mit dem Kongo "mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen". Deutsche Staatsbürger in Uganda wurden daher aufgerufen, von nicht notwendigen Besuchen in Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen abzusehen, Menschenmengen zu meiden und keine Wildtierprodukte zu essen. Für weite Teile des Kongos gilt bereits eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.
Ebola verläuft oftmals tödlich. Bei den Epidemien der vergangenen Jahre waren zwischen 25 und 90 Prozent der Erkrankten an der Virusinfektion gestorben. Ebola-Kranke leiden an Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall sowie an inneren Blutungen und schließlich Organversagen. Die Übertragung geschieht durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten eines Infizierten, die Inkubationszeit kann bis zu drei Wochen betragen.
Trotz Fortschritten bei Impfstoffen und Behandlungsmethoden hat das hochansteckende hämorrhagische Fieber in Afrika in den vergangenen 50 Jahren schätzungsweise 15.000 Menschen das Leben gekostet.
Der jetzige Ausbruch ist die 17. Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo. Zuletzt war die Virus-Krankheit in dem Land im vergangenen August ausgebrochen, 34 Menschen starben. Der bislang folgenschwerste Ebola-Ausbruch in der DR Kongo ereignete sich zwischen 2018 und 2020. Damals starben rund 2300 der insgesamt etwa 3500 Infizierten.
Die seltene Bundibogyo-Variante war erstmals 2007 nachgewiesen worden. Eine Impfung existiert bisher nur für den 1976 entdeckten Zaire-Stamm des Ebola-Virus.
Z.AbuSaud--SF-PST