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Erneute israelische Angriffswelle im Libanon: Mindestens neun Tote
Die israelische Armee hat ihre heftigen Angriffe im Libanon am Mittwoch fortgesetzt. Die Luftangriffe richteten sich gegen Ziele der "Terrorinfrastruktur" der pro-iranischen Hisbollah-Miliz in mehreren Gebieten des südlichen Libanon, erklärte die Armee. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete mindestens neun Tote durch israelische Angriffe, darunter zwei Kinder. Derweil wurde für Donnerstag eine neue direkte Gesprächsrunde zwischen Israel und dem Libanon erwartet.
Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete über mehrere Angriffe auf Dörfer sowie auf drei Fahrzeuge südlich von Beirut. Dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge richteten sich zwei der Angriffe gegen Autos auf einer stark befahrenen Straße südlich der Hauptstadt und ein weiterer auf ein nicht weit davon entferntes Ziel. Insgesamt wurden nach Angaben des Ministeriums drei Fahrzeuge etwa 20 Kilometer südlich von Beirut getroffen, acht Menschen seien dabei getötet worden.
Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete von einem ausgebrannten Auto und Rettungskräften, die mindestens eine Leiche bargen. Bereits am Samstag waren zwei Wagen auf einer Fernstraße durch israelischen Beschuss getroffen worden.
Ein vierter Angriff richtete sich nach Angaben der libanesischen Nachrichtenagentur NNA gegen ein Fahrzeug am Ortseingang von Sidon – einer 40 Kilometer von Beirut entfernten Stadt im Süden des Landes. Dem Gesundheitsministerium zufolge wurde bei dem Angriff ein Mensch getötet, ein weiterer wurde demnach verletzt.
Die israelische Armee hatte am Mittwochvormittag die Bewohner von sechs Dörfern in der Region rund um die Küstenstadt Tyros zur Evakuierung aufgerufen, wie sie dies üblicherweise vor neuen Luftangriffen tut. Ein AFP-Korrespondent in Tyros beobachtete, wie dichter Rauch aus dem nahegelegenen Ort Burdsch al-Schemali aufstieg.
Die Hisbollah erklärte ihrerseits am Mittwoch, mehrere Angriffe auf israelische Soldaten im Libanon verübt zu haben. Dabei seien unter anderem Sprengstoffdrohnen gegen die Soldaten abgefeuert worden.
Am Dienstag waren nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums bei israelischen Angriffen im Süden des Landes 13 Menschen getötet und 16 weitere verletzt worden.
Die israelische Armee hatte zuletzt ihre Angriffe auf Ziele der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz im Libanon verstärkt. Zwischen Israel und dem Libanon gilt zwar seit drei Wochen offiziell eine Waffenruhe - diese wird aber von der Hisbollah nicht anerkannt. Die Miliz beschießt weiterhin Ziele in Israel und verübt Angriffe auf israelische Soldaten im Südlibanon. Dem Waffenruhe-Abkommen zufolge hat Israel das Recht, gegen "geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe" vorzugehen.
Die Vereinigten Arabischen Emirate gaben am Mittwoch bekannt, 16 Libanesen und fünf libanesische Organisationen wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Hisbollah auf eine Terrorliste gesetzt zu haben. Wie die staatliche emiratische Nachrichtenagentur berichtete, sollten die Vermögenswerte der Betroffenen innerhalb von 24 Stunden eingefroren werden.
Bei den israelischen Luftangriffen auf den Libanon wurden seit Inkrafttreten der Waffenruhe nach aktuellen offiziellen Angaben mindestens 380 Menschen getötet. Auf israelischer Seite wurden seit der Waffenruhe nach Armeeangaben fünf Soldaten getötet.
Parallel dazu laufen erstmals seit Jahrzehnten direkte Friedensverhandlungen zwischen dem Libanon und Israel. Am Donnerstag soll eine neue Gesprächsrunde in Washington stattfinden. Während der Libanon bestrebt ist, die Waffenruhe zu festigen und den Abzug der israelischen Truppen zu erwirken, will Israel sicherzustellen, dass die Hisbollah wie vorgesehen entwaffnet wird.
Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, lehnt die direkten Gespräche zwischen den Nachbarländern ab. Mit Angriffen auf Israel hatte die Hisbollah den Libanon Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei feuerte die von Teheran finanzierte Schiitenmiliz Raketen auf Israel ab. Israel flog daraufhin massive Angriffe auf Teile des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.
P.Tamimi--SF-PST