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Nach neuen iranischen Angriffen droht wieder Zuspitzung der Lage in Golfregion
Nach neuen iranischen Luftangriffen droht sich die Lage in der Golfregion trotz einer Waffenruhe wieder zuzuspitzen. Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten am Sonntag iranische Drohnenangriffe, vor der Küste Katars wurde zudem ein Frachter angegriffen. Der Iran warnte die USA erneut vor Angriffen auf seine Öltanker und drohte mit Vergeltungsangriffen auf US-Ziele in der Golfregion. Zugleich übermittelte Teheran seine seit Tagen erwartete Antwort auf den jüngsten US-Verhandlungsvorschlag zur Beendigung des Krieges an Pakistan.
Die Vereinigten Arabischen Emirate teilten im Onlinedienst X mit, ihre Luftverteidigungssysteme hätten am Sonntag zwei iranische Drohnen abgefangen. Auch im Luftraum von Kuwait wurden in den frühen Morgenstunden "eine Anzahl feindlicher Drohnen" entdeckt, wie das Golfemirat auf X erklärte. Woher die Drohnen kamen, wurde nicht mitgeteilt.
Katar meldete zudem einen Drohnenangriff auf ein Handelsschiff in seinen Hoheitsgewässern. Die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) hatte zuvor Beschuss auf ein Frachtschiff mit einem "unbekannten Geschoss" vor Katars Küste gemeldet. Der Vorfall ereignete sich am Sonntag, nachdem die iranischen Revolutionsgarden am Samstag gedroht hatten, US-Frachter in der Region anzugreifen.
Am Sonntag verschärfte Teheran erneut die Tonlage gegenüber den USA. Der Sprecher des Ausschusses für nationale Sicherheit des iranischen Parlaments warnte die USA am Sonntag vor jeglichen Angriffen auf Schiffe in den Gewässern des Persischen Golfs. "Unsere Zurückhaltung ist ab heute vorbei", erklärte Ebrahim Resaei auf X. "Jeder Angriff auf unsere Schiffe wird eine starke und entschlossene Reaktion des Iran gegen amerikanische Schiffe und Stützpunkte nach sich ziehen", drohte er.
Die USA hatten zuvor zwei iranische Schiffe angegriffen. Das für die Golfregion zuständige US-Zentralkommando Centcom erklärte, die beiden iranischen Frachtschiffe seien am Freitag im Golf von Oman von US-Kampfflugzeugen mit "Präzisionsmunition" angegriffen worden. Die Schiffe "Sea Star III" und "Sevda" hätten versucht, die US-Blockade iranischer Häfen zu durchbrechen. Bereits in der Nacht zuvor hatte es Gefechte in der umkämpften Straße von Hormus gegeben.
Die Meerenge war zu Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar von den iranischen Streitkräften weitgehend gesperrt worden. In der Folge schossen die Energiepreise weltweit in die Höhe. Seit April gilt in der Region eine Waffenruhe - die allerdings durch den sich wieder verschärfenden Konflikt um die für den Welthandel immens wichtigen Meerenge bedroht ist.
Später berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Irna, die Islamische Republik habe ihre Antwort auf den jüngsten von den USA vorgeschlagenen Text "heute über pakistanische Vermittler" verschickt. Nähere Angaben wurden nicht gemacht.
Die US-Regierung hatte bereits am Freitag mit einer Antwort aus Teheran gerechnet. "Ich erhalte angeblich heute Abend einen Brief, also werden wir sehen, wie das läuft", sagte US-Präsident Donald Trump am Freitag (Ortszeit) vor Journalisten. Zuvor hatte US-Außenminister Marco Rubio erklärt, Washington erwarte für den Freitag eine iranische Reaktion auf den Vorschlag. Der Iran erklärte, er prüfe den neuen Verhandlungsvorschlag und werde seinen Standpunkt dem Vermittler Pakistan "nach Abschluss seiner Beratungen" übermitteln.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi äußerte indes Zweifel an der Ernsthaftigkeit der US-Diplomatie. "Die jüngste Eskalation der Spannungen durch die amerikanischen Streitkräfte und ihre mehrfachen Verstöße gegen die Waffenruhe bestärken den Verdacht hinsichtlich der Motivation und des Ernstes der amerikanischen Seite auf dem Weg der Diplomatie", sagte Araghtschi am Samstag laut der Nachrichtenagentur Isna bei einem Telefonat mit seinem türkischen Kollegen Hakan Fidan.
Derweil besprach Rubio mit Katars Regierungschef Mohammed bin Abdelrahman al-Thani die Lage in der Golfregion. Rubio habe mit al-Thani die Bedrohungen und die Sicherheit in der Region erörtert, teilte das US-Außenministerium am Samstag mit.
Katars Außenministerium teilte am Sonntag mit, dass al-Thani mit Irans Außenminister Araghtschi telefoniert habe. Dabei wies er demnach darauf hin, dass die Instrumentalisierung der Straße von Hormus die Krise nur "verschärfen" würde. Demnach pochte al-Thani darauf, dass das Konzept der freien Schifffahrt nicht Gegenstand von "Kompromissen" sein könne.
Irans Staatsfernsehen berichtete derweil von einem Treffen von Irans Armeekommandeur Ali Abdollahi mit dem bislang öffentlich nicht aufgetretenen neuen obersten Führer Modschtaba Chamenei. Chamenei habe bei dem Treffen "neue Anweisungen und Richtlinien für die Fortsetzung der Einsätze zur Bekämpfung des Feindes" erteilt, hieß es in dem Bericht. Einzelheiten wurden nicht genannt, ebenso wenig wurden Angaben zum Zeitpunkt des Treffens gemacht.
P.AbuBaker--SF-PST