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Dschihadisten und Tuareg-Rebellen bekennen sich zu gemeinsamen Angriffen auf Armee in Mali
In Mali haben mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Dschihadisten nach eigenen Angaben gemeinsam mit der Tuareg-Rebellengruppe FLA Angriffe auf die Armee gestartet. "Gemeinsam führen wir eine wahrhaftige Transformation aus, im Dienste der Religion, des Landes und des Volkes", erklärte die Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime (JNIM) am Samstag. In Malis Hauptstadt Bamako und weiteren Städten des westafrikanischen Krisenstaates war es zuvor zu heftigen Gefechten zwischen der Armee und bewaffneten Angreifern gekommen.
Die JNIM erklärte am Samstag, ihre Kämpfer hätten die Wohnhäuser des malischen Junta-Chefs Assimi Goita und des Verteidigungsministers General Sadio Camara angegriffen. Auch der internationale Flughafen von Bamako und weitere Ziele seien attackiert worden.
Die malischen Streitkräfte teilten ihrerseits mit, "terroristische Gruppen" hätten am frühen Morgen Kasernen und andere Punkte in Bamako und weiteren Landesteilen angegriffen.
"Unsere Streit- und Sicherheitskräfte sind dabei, die Angreifer zu vernichten", erklärte die Armee. Später teilte sie mit, die Situation sei "unter Kontrolle", mehrere "Terroristen" seien "neutralisiert" worden. 16 Zivilisten und Soldaten seien verletzt worden und es gebe "begrenzte Sachschäden", hieß es weiter.
Die Tuareg-Rebellengruppe FLA erklärte allerdings, sie habe die Stadt Kidal im Norden des Landes eingenommen. "Unsere FLA-Truppen kontrollieren Kidal, den größten Teil von Kidal", erklärte FLA-Sprecher Mohamed Elmaulud Ramadan. Der Gouverneur von Kidal habe sich "mit seinen Männern im ehemaligen Lager der Minusma" verschanzt, fügte er unter Verweis auf die 2023 abgewickelte UN-Mission hinzu.
Die Straßen der Hauptstadt Bamako waren am Samstag leergefegt und es waren Schüsse zu hören, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtetet. Hubschrauber flogen über die Hauptstadt hinweg, vor allem in der Gegend des internationalen Flughafens.
In Bamakos Nachbarstadt Kati waren zahlreiche Schüsse zu hören, wie die AFP aus mehreren Quellen erfuhr. In Kati befindet sich die Residenz des Militärjunta-Chefs Goita. Bewohner des Vororts veröffentlichten Bilder in Onlinenetzwerken, die ihre beschädigten Häuser zeigten.
An der Residenz von Verteidigungsminister Camara soll es Anwohnern zufolge eine heftige Explosion gegeben haben. Das Umfeld des Generals wies aber Gerüchte zurück, wonach Camara bei der Detonation verletzt wurde. Gefechte wurden auch aus Gao, der größten Stadt im Norden Malis, und der Ortschaft Sévaré gemeldet.
Das russische Außenministerium teilte mit, etwa 250 Kämpfer hätten den Flughafen von Bamako und einen nahegelegenen Militärstützpunkt angegriffen. Der Angriff sei jedoch abgewehrt worden. "Die russische Seite äußert ihre tiefe Besorgnis angesichts der aktuellen Ereignisse", schrieb das Ministerium im Onlinedienst Telegram. Mali hat - wie auch seine Nachbarstaaten Niger und in Burkina Faso - die Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich und weiteren westlichen Ländern abgebrochen und sich Russland angenähert.
UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte am Samstag die "Gewalttaten" in Mali. Er rief zudem zu koordinierter internationaler Unterstützung auf, um der "Bedrohung durch gewalttätigen Extremismus und Terrorismus in der Sahelzone zu begegnen", teilte sein Sprecher mit.
Das Auswärtige Amt in Berlin rief deutsche Staatsbürger in Mali zu äußerster Vorsicht auf. "Deutschen Staatsangehörigen wird empfohlen, an einem sicheren Ort zu bleiben und Mali auf dem Luftweg zu verlassen, wenn die Sicherheitslage dies zulässt und der Flugbetrieb wieder aufgenommen wurde", hieß es in den aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweisen. Der internationale Flughafen in Bamako ist den Angaben zufolge derzeit geschlossen.
Mali wird seit vielen Jahren von massiver Gewalt erschüttert. Die seit zwei Putschen in den Jahren 2020 und 2021 herrschenden Militärs sehen sich unter anderem mit einer Rebellion islamistischer Extremisten konfrontiert, die immer wieder Anschläge und Angriffe auf Regierungstruppen verüben. Auch sind kriminelle Banden in dem Land aktiv.
Die Angriffe auf Regierungstruppen am Samstag hatten nach Einschätzung von Beobachtern aber eine neue Qualität. "Wir haben es mit einer riesigen koordinierten Offensive im ganzen Land zu tun, wie wir es seit 2012 nicht mehr gesehen haben, als die Regierung das halbe Land verloren hat", sagte Charlie Werb vom Sicherheitsberatungsunternehmen Aldebaran Threat Consultants der AFP. In Bamako habe es ein "schweres Sicherheitsversagen" gegeben.
2024 waren bei einem Doppel-Angriff auf den Militärflughafen von Bamako und die nahegelegene Gendarmerieschule mehr als 70 Menschen getötet worden. Den Angriff damals reklamierte der Al-Kaida-Ableger JNIM für sich.
B.Mahmoud--SF-PST