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Gewalt in Krisenstaat Mali: Heftige Gefechte in Bamako und weiteren Städten
Die malische Hauptstadt Bamako und weitere Städte des westafrikanischen Krisenstaates sind von heftigen Gefechten zwischen der Armee und bewaffneten Angreifern erschüttert worden. Die malischen Streitkräfte erklärten am Samstag, "terroristische Gruppen" hätten am frühen Morgen Kasernen und andere Punkte in Bamako und weiteren Landesteilen angegriffen. Ein Sicherheitsexperte sprach von einer "riesigen koordinierten Offensive im ganzen Land".
Wer hinter den Angriffen stand, war nach Angaben der malischen Armee zunächst unklar. "Unsere Streit- und Sicherheitskräfte sind dabei, die Angreifer zu vernichten", erklärte die Armee. Später teilte das Militär mit, die Situation sei "unter Kontrolle", mehrere "Terroristen" seien "neutralisiert" worden. Die Tuareg-Rebellengruppe FLA erklärte allerdings, sie habe die Stadt Kidal im Norden des Landes eingenommen.
Die Straßen der Hauptstadt Bamako waren am Samstag leergefegt und es waren Schüsse zu hören, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtetet. Hubschrauber flogen über die Hauptstadt hinweg, vor allem in der Gegend des internationalen Flughafens.
Das Auswärtige Amt in Berlin teilte in einem Sicherheitshinweis mit, der internationale Flughafen von Bamako sei derzeit geschlossen. Die Vereinten Nationen und die US-Botschaft in Bamako riefen ihre Mitarbeiter auf, zu Hause zu bleiben.
In Bamakos Nachbarstadt Kati waren zahlreiche Schüsse zu hören, wie die AFP aus mehreren Quellen erfuhr. In Kati befindet sich die Residenz des Militärjunta-Chefs Assimi Goita. Bewohner des Vororts veröffentlichten Bilder in Onlinenetzwerken, die ihre beschädigten Häuser zeigten.
An der Residenz von Verteidigungsminister Sadio Camara soll es Anwohnern zufolge eine heftige Explosion gegeben haben. Das Umfeld des Generals wies aber Gerüchte zurück, wonach Camara bei der Detonation verletzt wurde.
Gefechte wurden auch aus Gao, der größten Stadt im Norden Malis, und der Ortschaft Sévaré gemeldet. Die Tuareg-Rebellengruppe FLA erklärte auf der Onlineplattform Facebook, sie habe "die Kontrolle" über Kidal übernommen. Der Gouverneur habe sich im früheren Lager der Ende 2023 abgewickelten UN-Mission Minusma verschanzt, sagte ein FLA-Sprecher zu AFP.
Die AFP konnte die Angaben zunächst nicht unabhängig überprüfen. Zuletzt war Kidal von der malischen Armee und russischen Einheiten kontrolliert worden.
Mali wird seit vielen Jahren von massiver Gewalt erschüttert. Die seit zwei Putschen in den Jahren 2020 und 2021 herrschenden Militärs sehen sich unter anderem mit einer Rebellion islamistischer Extremisten konfrontiert, die immer wieder Anschläge und Angriffe auf Regierungstruppen verüben. Auch sind kriminelle Banden in dem Land aktiv.
Die Angriffe auf Regierungstruppen am Samstag hatten nach Einschätzung von Beobachtern aber eine neue Qualität. "Wir haben es mit einer riesigen koordinierten Offensive im ganzen Land zu tun, wie wir es seit 2012 nicht mehr gesehen haben, als die Regierung das halbe Land verloren hat", sagte Charlie Werb vom Sicherheitsberatungsunternehmen Aldebaran Threat Consultants der AFP. In Bamako habe es ein "schweres Sicherheitsversagen" gegeben.
2024 waren bei einem Doppel-Angriff auf den Militärflughafen von Bamako und die nahegelegene Gendarmerieschule mehr als 70 Menschen getötet worden. Den Angriff reklamierte die Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime (JNIM) für sich, ein Ableger des islamistisch-extremistischen Al-Kaida-Netzwerks.
S.Abdullah--SF-PST