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Prognose: Bündnis von prorussischem Ex-Präsidenten Radew bei Wahl in Bulgarien klar vorn
Nach der Parlamentswahl in Bulgarien steuert das EU-Land auf einen russlandfreundlichen Kurs zu: Laut Nachwahlbefragungen errang das Mitte-links-Bündnis Progressives Bulgarien von Ex-Präsident Rumen Radew mit rund 38 Prozent der Stimmen einen deutlichen Sieg. Radew strebt einen Dialog mit Russland an und lehnt Waffenlieferungen an die Ukraine ab, will entsprechende EU-Beschlüsse aber nicht blockieren. Der Urnengang am Sonntag war bereits die achte Parlamentswahl in Bulgieren in fünf Jahren.
Mit einem Stimmenanteil von rund 38 Prozent schnitt Radews Bündnis den Nachwahlbefragungen noch besser ab als in den Umfragen vorhergesagt. Das konservative Mitte-rechts-Bündnis GERB-SDS des ehemaligen Regierungschefs Bojko Borissow landete demnach mit 16 Prozent abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Dahinter folgte das liberale Bündnis PP-DB, das den Nachwahlbefragungen zufolge 14 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte.
Die offiziellen Wahlergebnisse werden frühestens am Montag veröffentlicht. In der Frage, mit wem er ein Regierungsbündnis bilden will, hat sich Radew noch nicht festgelegt.
Bei seiner Ankunft in der Zentrale seiner Partei wurde Radew mit Applaus empfangen. wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Borjana Dimitrowa vom Umfrageinstitut Alpha Research hob hervor, dass der 62-Jährige von den Wählern doppelt so viel Unterstützung erhalten habe wie Borissows GERB-Partei. Eine Prognose, mit wem Radew koalieren werde, sei aber erst möglich, wenn klar sei, welche Parteien die Vier-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament überwunden hätten.
Radew hatte vor der Wahl eine Koalition mit Borissows Mitte-rechts-Bündnis wegen ihrer "Uneinigkeit bei der Korruption" ausgeschlossen. Mit der PP-DB bestehen nach Einschätzung von Dimitrowa ein paar geopolitische Differenzen.
Die Wahl im ärmsten Land der EU fand inmitten politischer Instabilität statt. Seit Jahren steckt Bulgarien in einer politischen Krise. Nachdem der langjährige Regierungschef Bojko Borissow 2021 durch Anti-Korruptions-Proteste zu Fall gebracht wurde, hat keine Regierung länger als ein Jahr gehalten.
Auch die bislang letzte Regierung unter GERB-Führung trat im Dezember zurück - nachdem es zuvor ebenfalls Demonstrationen gegen die Korruption im Land gegeben hatte. Daraufhin legte Radew im Januar nach neun Jahren sein Präsidentenamt nieder, um für das Amt des Regierungschefs zu kandidieren.
Während Borissows GERB-SDS die Ukraine und die Politik Brüssels unterstützt, gilt Radew als russlandfreundlich. Der 62-Jährige fordert eine Wiederaufnahme des Dialogs mit Moskau und sieht Sofia dabei als "ein sehr wichtiges Bindeglied".
Das im März unterzeichnete zehnjährige Verteidigungsabkommen zwischen Bulgarien und der Ukraine lehnt Radew ab. Er ist auch gegen Waffenlieferungen an die Ukraine, da es nicht im Interesse seines "armen" Landes sei, dafür Geld auszugeben. Allerdings hat Radew angekündigt, kein Veto gegen EU-Beschlüsse zum Ukraine-Krieg einzulegen.
Wichtiges Wahlkampfthema des früheren Luftwaffen-Generals war der Kampf gegen die Korruption in dem 6,5-Millionen-Einwohner-Land. Nach seiner Stimmabgabe in Sofia beschwor Radew "eine historische Chance, ein für allemal mit dem oligarchischen Modell zu brechen". Er kämpfe für ein "demokratisches, modernes und europäisches Bulgarien", sagte er. Zugleich wünsche er sich "pragmatische Beziehungen zu Russland, gegründet auf gegenseitigem Respekt".
Ex-Ministerpräsident Borissow kritisierte, dass Radew mitnichten für einen Neuanfang stehe. Er hob im Wahlkampf Errungenschaften seiner Regierungszeit hervor wie etwa die Einführung des Euro zu Jahresbeginn.
Die Wahl wurde von Vorwürfen des versuchten Stimmenkaufs überschattet. In den vergangenen Wochen beschlagnahmte die Polizei bei Razzien gegen den Kauf von Wählerstimmen mehr als eine Million Euro. Hunderte Verdächtige, darunter Stadträte und Bürgermeister, wurden im Zuge der Ermittlungen festgenommen.
D.AbuRida--SF-PST