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Reaktion auf Wahlvideo: Biden wirft Trump Verwendung von "Hitlers Sprache" vor
US-Präsident Joe Biden hat entrüstet auf ein über die Online-Plattform seines Rivalen Donald Trump verbreitetes Video mit einer Aussage über ein "vereinigtes Reich" reagiert und seinem Amtsvorgänger die Verwendung von NS-Rhetorik vorgeworfen. Trump "gebraucht Hitlers Sprache, nicht jene Amerikas", sagte Biden am Dienstag bei einem Treffen mit Geldgebern für seine Wahlkampagne in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts.
Parallel veröffentlichte Biden ein Video im Onlinedienst X, in dem er offensichtlich geschockt auf sein Handy schaut und das Video aus dem Trump-Lager kommentiert: "Wow. Ein vereinigtes Reich? Das ist Hitlers Sprache, nicht jene Amerikas", sagt Biden in dem Video.
Das Video mit der Aussage über das "vereinigte Reich" war am Montag auf Trumps Konto auf dessen eigener Online-Plattform Truth Social veröffentlicht worden. Dabei wird das deutsche Wort "Reich" verwendet.
Nach 19 Stunden wurde das Video entfernt, nachdem es große Empörung ausgelöst hatte. Es beschreibt das Szenario eines Trump-Siegs bei der Präsidentschaftswahl im November, bei der der Rechtspopulist - in einer Neuauflage des Wahlduells von 2020 - gegen Biden antreten will.
"Was passiert, wenn Donald Trump gewinnt? Was kommt als Nächstes für Amerika?", wird in dem 30-sekündigen Clip gefragt, während mehrere Schlagzeilen eingeblendet werden. Neben Zeitungsüberschriften wie "Wirtschaft boomt" und "Grenze ist geschlossen" ist darin auch von der "Schaffung eines vereinigten Reiches" die Rede.
Das deutsche Wort "Reich" wird in den USA häufig als Synonym für Dritte Reich der Nazis verwendet. In dem Video, das offenbar einige aus anderen Texten kopierte Bausteine enthält, wird auch der Erste Weltkrieg erwähnt. Der verwendete Zeitungstitel über das "vereinigte Reich" könnte sich also auf das Deutsche Kaiserreich beziehen, das von 1871 bis 1918 bestand.
Die Sprecherin von Trumps Wahlkampfteam, Karoline Leavitt, erklärte, es handele sich nicht um ein offizielles Wahlkampfvideo. Es sei von einem anderen Truth-Social-Nutzer erstellt und dann von einem Trump-Mitarbeiter, der das Wort "Reich" nicht gesehen habe, weiterverbreitet worden.
Biden nannte dies eine "faule" Ausrede. Der Präsident zitierte auch Berichte, wonach Trump in internen Besprechungen gesagt haben soll, Hitler habe "einige gute Dinge" getan. Diese Berichte seien für ihn "keine Überraschung", sagte Biden.
Der US-Nachrichtensender CNN hatte vor einigen Wochen unter Berufung auf Trumps früheren Stabschef im Weißen Haus, John Kelly, über die angeblich positiven Äußerungen des Ex-Präsidenten über Hitler berichtet. Als eines der "guten Dinge", die Hitler vollbracht habe, habe Trump den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft genannt, wurde Kelly zitiert.
Der Sprecher von Bidens Wahlkampfteam, James Singer, hob hervor, dass Trump auch schon in der Vergangenheit Nazi-Rhetorik verwendet habe. "Donald Trump spielt keine Spielchen", erklärte Singer. "Er sagt Amerika genau, was er zu tun gedenkt, wenn er wieder an die Macht kommt: Als Diktator über ein 'vereinigtes Reich' zu herrschen."
Trump hat wiederholt mit Rhetorik für Empörung gesorgt, die an die NS-Sprache erinnert. So bezeichnete er politische Gegner als "Ungeziefer" und sprach davon, dass Einwanderer "das Blut unseres Landes vergiften".
Y.Zaher--SF-PST