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Analyse: Krankenkassen droht 2027 Finanzlücke von zwölf Milliarden Euro
In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) droht 2027 eine Finanzlücke von bis zu zwölf Milliarden Euro - die Beiträge könnten deshalb erneut steigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Montag vorgestellte Projektion des IGES-Instituts im Auftrag der Krankenversicherung DAK-Gesundheit. Sie kommt auch zu dem Schluss, dass bis 2035 für alle Sozialabgaben zusammen ein Beitragssatz von 50 Prozent erreicht sein könnte.
Das Institut erwartet bei den Krankenkassen eine Finanzlücke von 11,8 Milliarden Euro im kommenden Jahr. Allein 6,8 Milliarden Euro davon werden auf "ein anhaltend stärkeres Ausgabenwachstum" zurückgeführt. Zudem tragen laut Analyse der Wegfall eines Darlehens von 2,3 Milliarden Euro sowie das Auslaufen eines Sparpakets der Bundesregierung von 1,7 Milliarden Euro zu dem Defizit bei. Der Beitragssatz in der GKV könnte demnach im kommenden Jahr von aktuell 17,7 Prozent auf 18,3 Prozent steigen, 2033 dürfte er die Marke von 20 Prozent erreichen.
Auch bei der gesetzlichen Pflegeversicherung prognostiziert das Institut 2027 Mehrbelastungen - und zwar in Höhe von insgesamt 5,5 Milliarden Euro. Als Gründe geben die Verfasser der Analyse auch hier ein anhaltend starkes Ausgabenwachstum und den Wegfall eines Bundesdarlehens an. Die Beiträge könnten deshalb 2027 von 3,8 Prozent auf 4,1 Prozent steigen und bis 2033 auf 5,0 Prozent.
Für alle vier Zweige der Sozialversicherung - also einschließlich Renten- und Arbeitslosenversicherung - geht das Institut für 2027 von einem Sozialversicherungsbeitragssatz von insgesamt 43,6 Prozent aus. Dieser dürfte laut Auswertung in den Folgejahren weiter ansteigen und 2035 die Marke von 50,0 Prozent erreichen.
Mit den Maßnahmen der Bundesregierung zur kurzfristigen Unterstützung von Kranken- und Pflegeversicherung sei "allein keine mittel- bis langfristige Beitragsdämpfung" zu erreichen, fasst Studienleiter Richard Ochmann die Ergebnisse zusammen. Die Darlehen der Bundesregierung könnten "das trendmäßige Öffnen der Schere zwischen Ausgaben- und Einnahmenentwicklung" nicht verhindern.
Für eine kurzfristige Stabilisierung hat die Bundesregierung die Kranken- und Pflegeversicherung jeweils mit Milliardendarlehen unterstützt. Die GKV erhält 2025 und 2026 jeweils 2,3 Milliarden Euro, die Pflegeversicherung 2025 0,5 Milliarden Euro und 2026 3,2 Milliarden Euro.
DAK-Vorstandschef Andreas Storm schlägt angesichts der Prognosen mehrere Maßnahmen vor, um die Beiträge der Krankenkassen zu stabilisieren. So sollten die Ausgaben der Kassen Storm zufolge bis Ende 2029 nur noch im Einklang mit den Einnahmen steigen dürfen. Der DAK-Chef fordert zudem eine Absenkung der Mehrwertsteuersatzes auf Arzneimittel und Hilfsmittel auf sieben Prozent, um die Kassen zu entlasten. Für die langfristige GKV-Stabilisierung seien aber "umfassende Struktur- und Versorgungsreformen" notwendig, betont Storm.
D.Qudsi--SF-PST