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Zalando schließt Logistikzentrum in Erfurt - 2700 Stellen betroffen
Der Mode-Versandhändler Zalando schließt sein Logistikzentrum in Erfurt in Thüringen, wo bislang 2700 Menschen arbeiten - rund ein Sechstel der gesamten Belegschaft des Unternehmens. Zalando sprach am Donnerstag von einer "schwierigen, aber notwendigen Entscheidung" und verwies auf eine strukturelle Neuaufstellung seines europaweiten Logistiknetzwerkes. Von der Gewerkschaft Verdi und aus der Politik kam scharfe Kritik.
Zalando erklärte, es gehe darum, "die sich uns bietenden Marktchancen optimal zu nutzen". Vor diesem Hintergrund sei das gemeinsame Logistiknetz mit dem Versandhändler About You, den Zalando im vergangenen Jahr übernommen hatte, "gründlich überprüft" worden. Neben der Schließung des Standorts Erfurt laufen auch die Verträge mit externen Dienstleistern für drei Standorte außerhalb Deutschlands aus.
Erfurt ist das älteste Logistikzentrum von Zalando - dort sei die Technik nicht mehr auf dem neuesten Stand, sagte der Ko-Chef des Unternehmens, David Schröder, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Mit dem Umbau könne Zalando "schneller und verlässlicher liefern". Ein neues Logistikzentrum mit 1700 Arbeitsplätzen entsteht laut Unternehmen derzeit in Gießen.
Thüringens ehemaliger Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) kritisierte die Entscheidung gegen Erfurt als "brutalen Raubtier-Kapitalismus". "Mit viel staatlichem Geld und massiver Unterstützung des Landes Thüringen war der Standort Erfurt von Zalando aufgebaut worden", erklärte er. Nun habe das Unternehmen die Konkurrenz geschluckt und schließe Standorte, um Millionengewinne zu generieren.
"Ich bedauere diese Entscheidung zutiefst, vor allem, weil wir keine Chance hatten, sie zu beeinflussen", erklärte Erfurts Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU). "Eine frühere Beteiligung der Stadt an dieser Entscheidung des Konzerns hätte ich mir dringend gewünscht." Das Unternehmen habe ihm aber versichert, dass es nicht an den Rahmenbedingungen in Erfurt und Ostdeutschland gelegen habe.
Die Gewerkschaft Verdi erklärte, die Schließung sei für die betroffenen Beschäftigten, "die zum Teil seit mehr als einem Jahrzehnt dem Standort trotz Niedriglöhnen die Treue halten, (..) ein Schlag ins Gesicht". Zalando schaffe Tatsachen, statt mit Betriebsrat und Gewerkschaft über Möglichkeiten der Zukunftssicherung zu sprechen. An Kapital fehle es nicht, Zalando plane im Geschäftsjahr mehr als 500 Millionen Euro Vorsteuergewinn.
"Auf allen Betriebsversammlungen der letzten Monate wurde die Zukunftsfähigkeit und das Bekenntnis Zalandos zum Standort Erfurt gepriesen", erklärte Verdi-Sekretär Matthias Adorf. "Kein Verdacht sollte aufkommen, dass die Kolleginnen und Kollegen bereits auf der Abschussliste standen." Zalando sei es nur darum gegangen, "die Beschäftigten im Weihnachtsgeschäft noch ein letztes Mal auszupressen". Ein solches Verhalten "als schäbig zu benennen, wäre eine infame Untertreibung".
Schröder sagte der "FAZ", Zalando wolle mit dem Betriebsrat in Erfurt darüber sprechen, "wie wir die Menschen finanziell unterstützen können". Das Unternehmen habe sich auf einen "signifikanten Beitrag" eingestellt. Zalando habe auch angeboten, an einen anderen Standort zu wechseln - etwa nach Gießen.
Zalando wurde 2008 gegründet und ist europäischer Marktführer im Online-Bekleidungshandel. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 16.000 Menschen, knapp die Hälfte davon in Berlin.
O.Farraj--SF-PST