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Russland greift Ukraine mit Oreschnik-Raketen an - Merz: "Rücksichtslose Eskalation"
Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew in der Nacht zu Sonntag mit massiven Raketen- und Drohnenangriffen überzogen - auch die neuartige atomwaffenfähige Oreschnik-Mittelstreckenrakete kam dabei zum Einsatz. Nach Behördenangaben gab es in Kiew und Umgebung vier Tote und dutzende Verletzte. Auch das ARD-Studio in Kiew wurde massiv beschädigt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verurteilte den Oreschnik-Einsatz als "rücksichtslose Eskalation" durch Moskau scharf.
Moskau hatte zuvor wegen eines ukrainischen Drohnenangriffs auf die russisch besetzte Region Luhansk mit Vergeltung gedroht. In der Nacht griff Russland dann nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe die Ukraine mit insgesamt 600 Drohnen und 90 Raketen an. 549 Drohnen und 55 Raketen konnten demnach abgefangen werden. Erneut kam auch die atomwaffenfähige Oreschnik-Rakete zum Einsatz, wie das russische Verteidigungsministerium am Sonntag bestätigte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor einen Angriff mit einer Oreschnik-Rakete auf die Stadt Bila Zerkwa in der Region Kiew bekannt gegeben.
In Kiew hörten Journalisten der Nachrichtenagentur AFP bis in die Morgenstunden immer wieder laute Explosionen. Die ukrainischen Behörden lösten Luftalarm aus und warnten zudem vor Bränden. Dutzende Menschen suchten in einer Metro-Station im Stadtzentrum Schutz.
Wie Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko am Sonntagmorgen mitteilte, waren in der Hauptstadt zwei Tote zu beklagen. Zwei weitere Tote gab es nach Angaben von Verwaltungschef Mykola Kalaschny in der umliegenden Region Kiew. Zudem wurden 69 Verletzte gemeldet. Weitere Verletzte gab es in den Regionen Charkiw, Tscherkassy und Dnipropetrowsk.
Klitschko erklärte, in jedem Bezirk der Stadt habe es Schäden durch die Angriffe gegeben. Im Bezirk Schewtschenkiwsky wurde demnach eine Schule getroffen und in Brand gesetzt. In einem brennenden Geschäftszentrum saßen Menschen in einem Schutzraum fest.
Auch das ARD-Studio im Zentrum Kiews wurde bei den Angriffen teilweise zerstört. Wie der Westdeutsche Rundfunk mitteilte, stürzten wahrscheinlich durch Druckwellen Wände ein. Außerdem gingen Fenster zu Bruch, Räume wurden verwüstet und Technik zerstört. Da sich in der Nacht keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Studio befanden, wurde niemand verletzt.
Selenskyj hatte schon am Samstag vor einem Angriff mit Oreschnik-Raketen gewarnt und auf Geheimdienstinformationen verwiesen. Die Oreschnik-Rakete ist eine atomwaffenfähige Mittelstreckenrakete, die nach Angaben des Kreml eine Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde und Ziele in 3000 bis 5500 Kilometern Entfernung erreichen kann. Laut Kreml-Chef Wladimir Putin ist es selbst für moderne Luftabwehrsysteme "unmöglich", die Rakete abzufangen.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas verurteilte den Einsatz der Rakete als "politische Einschüchterungstaktik". Russland sei "auf dem Schlachtfeld in eine Sackgasse geraten, also terrorisiert es die Ukraine mit gezielten Angriffen auf Stadtzentren", schrieb Kallas im Onlinedienst X.
Bundeskanzler Merz kritisierte ebenfalls auf X den Einsatz der Oreschnik-Rakete. "Deutschland steht weiter fest an der Seite der Ukraine", hob er hervor. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) nannte "Russlands Raketenterror" "schockierend". Auch er bezeichnete den Einsatz der Oreschnik-Rakete als "weitere Eskalation". Er hob hervor, dass nur eine starke Ukraine "Putin zum Einlenken bewegen" könne.
Auch Frankreich Präsident Emmanuel Macron verurteilte den Abschuss von Oreschnik-Raketen. Dies zeige die "Sackgasse", in der sich Moskau mit seinem "Angriffskrieg" befinde, schrieb er auf X.
Nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russisch besetzte ukrainische Region Luhansk in der Nacht zum Freitag hatte Putin Kiew mit Vergeltung gedroht. Bei dem Angriff wurde nach russischen Angaben eine Fachhochschule samt Studentenwohnheim in der Stadt Starobilsk getroffen. Mindestens 18 Menschen, zumeist junge Frauen, wurden demnach getötet und 42 weitere verletzt. Das russische Außenministerium drohte den Verantwortlichen eine "unausweichliche und harte Bestrafung" an.
Kiew bestreitet einen gezielten Angriff auf Zivilisten und erklärte, das Ziel sei eine russische Drohneneinheit in der Region Starobilsk gewesen.
Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren mit Luftangriffen. Die Ukraine reagiert mit Gegenangriffen auf russisches Staatsgebiet. Die Verhandlungen über eine Beendigung der Kämpfe liegen derzeit auf Eis.
T.Ibrahim--SF-PST