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Finanztip: Kosten bei reformierter Riester-Rente reduzieren Förder-Vorteil
Bei der neuen privaten Altersvorsorge können hohe Kosten nach Angaben der Ratgeber-Plattform Finanztip einen erheblichen Teil des Fördervorteils aufzehren. Das zeigen Musterrechnungen des unabhängigen Portals, die der Nachrichtenagentur AFP am Freitag vorlagen. Demnach kann ein halber Prozentpunkt höhere Gebühren über die Laufzeit eines Vertrags rund 28.000 Euro Vermögen kosten. Das Gesetz zur Reform der Riester-Rente soll am Freitag im Bundesrat die letzte Hürde nehmen.
Ziel der Vorlage aus dem Bundesfinanzministerium ist, die bisherige Riester-Rente ab 2027 durch ein neues, staatlich gefördertes Vorsorgemodell abzulösen. Die Neuregelung soll mehr Menschen ermuntern, privat Geld für die Rente zurückzulegen. Der Gesetzentwurf sieht einen Kostendeckel von einem Prozent jährlich für Standarddepots vor. In einem früheren Gesetzesentwurf lag die Kosten-Obergrenze noch bei 1,5 Prozent, sie wurde nach Kritik von Verbraucherschützern abgesenkt auf ein Prozent.
Der Finanztip-Vergleich macht deutlich, wie stark laufende Kosten langfristig das Endvermögen beeinflussen können. Bei einem Prozent Kosten und einer monatlichen Sparrate von 150 Euro ergibt sich in einer Modellrechnung nach 40 Jahren ein Endvermögen im Altersvorsorgedepot von rund 217.000 Euro. Ein herkömmlicher ETF-Sparplan würde im Vergleich dazu wegen niedriger Effektivkosten besser abschneiden und rund 224.700 Euro bringen – ohne jegliche Förderung.
Anders sieht es aus, wenn die Effektivkosten des Altersvorsorgedepots, wie von Finanztip gefordert, bei 0,5 Prozent liegen. In diesem Fall liegt das Vermögen nach 40 Jahren bei rund 244.600 Euro.
Familien profitieren zusätzlich von einer Kinderzulage von maximal 300 Euro jährlich pro Kind. Mit einem förderberechtigten Kind steigt das Endvermögen laut Musterrechnung auf rund 263.800 Euro, mit zweien auf rund 283.400 Euro. Allerdings verlieren Sparer davon jeweils über 30.000 Euro Vermögen, wenn die Effektivkosten bei einem statt bei 0,5 Prozent liegen.
"Am Ende muss sich die Riester-Reform daran messen lassen, was nach Förderung, Kosten und Steuern bei den Menschen ankommt", erklärte Saidi Sulilatu, Chefredakteur von Finanztip. "Unsere Berechnungen zeigen: Wenn die Gebühren zu hoch sind, bleibt für Sparer deutlich weniger für die Altersvorsorge übrig als möglich."
Kritisch sieht Finanztip zudem, dass der Kostendeckel nur für die sogenannten Standarddepots gelten soll. "Solange Anbieter weiterhin auch teurere Produkte vertreiben können, besteht die Gefahr, dass viele Sparer am Ende nicht im günstigsten Angebot landen", erklärte Sulilatu.
Finanztip stellt Verbraucherinnen und Verbrauchern einen kostenfreien Online-Rechner für das Altersvorsorgedepot zur Verfügung, mit dem sich die Auswirkungen von Kosten, Förderung und Rendite individuell simulieren und mit einem herkömmlichen ETF-Sparplan vergleichen lassen.
Die Modellrechnungen von Finanztip basieren auf einer monatlichen Sparrate von 150 Euro, einer angenommenen Rendite von sechs Prozent pro Jahr sowie einer Laufzeit bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren. Der Sparer verdient 52.000 Euro Bruttojahresgehalt. Berücksichtigt wurden staatliche Zulagen sowie eine nachgelagerte Besteuerung. Die Förderung wird als jährliche Zulage berücksichtigt, ihre Wirkung auf das Endvermögen ist im Gesamtergebnis enthalten, wird jedoch nicht separat ausgewiesen.
U.AlSharif--SF-PST