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Iran-Krieg: Brand in Ölraffinerie in Kuwait - Sprecher der Revolutionsgarden getötet
Drei Wochen nach Kriegsbeginn hat der Iran seine Vergeltungsangriffe auf Energieanlagen in der Golfregion fortgesetzt. In Kuwait brach nach einem iranischen Drohnenangriff ein Feuer in einer Ölraffinerie aus. Die USA und Israel griffen ihrerseits erneut Ziele im Iran an und töteten dabei am Freitag nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden deren Sprecher. Der eskalierende Konflikt schürte die Sorgen weltweit um die Öl- und Gasversorgung und überschattete die Feierlichkeiten anlässlich des persischen Neujahrsfests und des Endes des Ramadan.
Kuwaitische Staatsmedien berichteten, die Ölraffinerie Mina al-Ahmadi sei zum zweiten Mal in dieser Woche angegriffen worden. Wegen des durch den Angriff verursachten Feuers seien mehrere Raffinerieanlagen abgeschaltet worden. Verletzte gab es den Angaben zufolge nicht.
Staatsmedien in den Vereinigten Arabischen Emiraten meldeten ebenfalls Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Iran. Die Luftabwehr in Saudi-Arabien fing nach Angaben des Verteidigungsministeriums in weniger als zwei Stunden mehr als ein Dutzend Drohnen ab. Das Innenministerium in Bahrain erklärte, Splitter einer "iranischen Aggression" hätten in einer Lagerhalle ein Feuer ausgelöst.
Die iranischen Revolutionsgarden teilten in einer von der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichten Stellungnahme mit, sie hätten US-Streitkräfte auf dem Luftwaffenstützpunkt al-Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Ziele in Israel mit Drohnen und Raketen ins Visier genommen.
Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten von lauten Explosionen über Jerusalem. Die israelischen Rettungsdienste meldeten zunächst keine Verletzten oder Schäden.
Die israelische Armee reagierte mit einer neuen Angriffswelle auf die Infrastruktur "des iranischen Terrorregimes" in Teheran. Zudem nahm das Militär am Freitag Ziele am Kaspischen Meer ins Visier. Bisher war die bei Urlaubern beliebte Region weitgehend von Angriffen verschont geblieben.
Laut iranischen Behörden wurden bei Luftangriffen der USA und Israels außerdem mindestens 16 iranische Frachtschiffe in iranischen Häfen am Persischen Golf zerstört.
Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte, der Iran sei nach den wochenlangen Bombardements inzwischen stark geschwächt. "Wir gewinnen und der Iran wird dezimiert", betonte er am Donnerstagabend. Der Iran sei mittlerweile nicht mehr in der Lage, Uran anzureichern oder ballistische Raketen herzustellen. Der Krieg werde "viel schneller enden, als die Leute denken", sagte Netanjahu. Er fügte aber zugleich hinzu: "Es gibt noch mehr zu tun und wir werden es tun."
Die Revolutionsgarden wiesen Netanjahus Äußerungen zurück. Die Raketenproduktion im Iran werde "selbst unter Kriegsbedingungen" fortgesetzt, sagte der Sprecher der Revolutionsgarden, Ali Mohammed Naini, am Freitag nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars. Kurz danach meldeten die Revolutionsgarden dann die Tötung ihres Sprechers, der einer "feigen Terrorattacke der amerikanisch-zionistischen Seite" zum Opfer gefallen sei.
Am Freitag wird im Iran das persische Neujahrsfest Nowruz begangen. Er hoffe, dass sein Land am ersten Tag des neuen Jahres von Angriffen verschont bleibe, sagte ein Bewohner der Ortschaft Saweh südlich von Teheran. Auf den Märkten in der iranischen Hauptstadt kauften Menschen neue Kleidung und Geschenke, der Andrang war aber geringer als üblich, wie ein AFP-Korrespondenten berichteten.
Israel und die USA hatten am 28. Februar massive Luftangriffe auf den Iran gestartet. Der Iran reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Region.
In Katar war dabei am Donnerstag die größte LNG-Produktionsanlage der Welt schwer beschädigt worden. Die Reparaturarbeiten könnten fünf Jahre in Anspruch nehmen, erklärte der Golfstaat. Seine Exportkapazitäten für Flüssigerdgas (LNG) würde dadurch um 17 Prozent verringert. Dies löste Warnungen vor weiter steigende Energiepreisen aus.
"Kurzfristige Störungen führen zu Preisschwankungen. Anhaltende Schäden verursachen einen dauerhaften wirtschaftlichen Schock", erklärte der Politikwissenschaftler und Militärexperte Robert Pape von der Universität in Chicago. "So wird aus einem regionalen Krieg eine historische globale Wirtschaftskrise." Er warnte vor einer weiteren Eskalation.
Netanjahu hatte am Donnerstag darauf verwiesen, dass der von ihm angestrebte Regimewechsel im Iran auch eine "Bodenkomponente" erfordern könnte. "Es gibt viele Möglichkeiten für diese Bodenkomponente, und ich nehme mir die Freiheit, sie nicht mit Ihnen zu teilen", sagte Netanjahu. US-Präsident Donald Trump betonte jedoch, dass er einen Einsatz von Bodentruppen derzeit nicht in Betracht ziehe.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte unterdessen mit Blick auf die iranische Blockade der für den weltweiten Ölhandel wichtigen Straße von Hormus Gespräche mit den anderen ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats an. Er betonte aber, eine Mission zur Absicherung der Schifffahrt in der Meeresenge sei erst nach Beendigung der Kampfhandlungen denkbar.
Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten bei einem Gipfel am Donnerstag in Brüssel betont, sie schlössen eine aktive Teilnahme am Krieg weiter aus. Zudem forderten sie "ein Moratorium für Angriffe auf Energie- und Wasserversorgungsanlagen".
Die Gipfelteilnehmer begrüßten in ihrer Abschlusserklärung zudem die Bereitschaft von Mitgliedsstaaten, die Straße von Hormus abzusichern, "sobald die Voraussetzungen dafür erfüllt sind". Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigte, dass sich Deutschland an Sicherungsmaßnahmen beteiligen könne: "Aber das geht erst, wenn die Kampfhandlungen abgeschlossen sind."
C.Hamad--SF-PST