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Katalanen-Anführer Puigdemont nach Auftritt in Barcelona offenbar wieder geflohen
Sieben Jahre nach seiner Flucht ins Exil ist der katalanische Unabhängigkeitsanführer Carles Puigdemont trotz drohender Festnahme am Donnerstag nach Spanien zurückgekehrt - und hat kurz darauf offenbar wieder die Flucht ergriffen. Nach einer Ansprache Puigdemonts vor tausenden Anhängern unweit des katalanischen Parlaments in Barcelona verbreitete sich zunächst das Gerücht, Puigdemont sei erneut geflohen. Später wurde nach Polizeiangaben ein katalanischer Polizist festgenommen, der Puigdemont bei seiner Flucht geholfen haben soll.
Wie AFP-Journalisten berichteten, hatte Puigdemont zunächst gegen 09.00 Uhr am Morgen eine Bühne vor dem Triumpfbogen Arc de Triomf in Barcelona betreten und dort eine kurze Rede gehalten. Der frühere Regionalpräsident trat unter Jubelrufen vor seine Anhänger, viele Menschen in der Menge schwenkten Fahnen in den Farben der Unabhängigkeitsbewegung, einige riefen "Präsident! Präsident!"
Puigdemont sagte in seiner Ansprache unter anderem: "Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis wir uns wieder sehen können, meine Freunde, aber egal, was passiert: Wenn wir uns wiedersehen, hoffe ich, dass wir wieder gemeinsam laut rufen können (...): 'Lang lebe ein freies Katalonien!'"
Seine Anhänger begaben sich nach Puigdemonts Ansprache zum nahe gelegenen Regionalparlament, wo bei einer Sitzung am Vormittag ein neuer Regionalpräsident gewählt werden sollte. Spitzenkandidat für das Amt war der frühere Gesundheitsminister und regionale Sozialistenchef Salvador Illa. Puigdemonts Unterstützer kamen dort jedoch ohne Puigdemont an, dem bei seiner Ankunft vermutlich die Festnahme gedroht hätte.
Spanische Medien veröffentlichten dann Bilder von Straßensperren, bei denen in Barcelona und darüber hinaus Fahrzeuge kontrolliert wurden. Die Polizei bestätigte die Fahndung nach Puigdemont zunächst nicht.
Wenig später erklärte die katalanische Regionalpolizei Mossos d'Esquadra, ein Polizist sei wegen des Verdachts festgenommen worden, Puigdemont bei dessen Flucht geholfen zu haben. Spanischen Medienberichten zufolge soll der Polizist der Halter eines Fahrzeugs sein, mit dem Puigdemont nach seiner Ansprache vor dem Parlament geflohen war.
Die sozialistische Regierung in Madrid hatte zwar eine Amnestie für katalanische Unabhängigkeitsbefürworter per Gesetz beschlossen - auch um sich eine Regierungsmehrheit mit Unterstützung der Partei von Puigdemont für die Zentralregierung in Madrid zu sichern. Später hatte das oberstes Gericht Spaniens zwar die Strafverfolgung für den Vorwurf des "Terrorismus" aufgehoben, nicht aber für den Vorwurf der Unterschlagung von Geldern gegen Puigdemont.
Die Amnestie sollte katalanischen Aktivisten zugute kommen, die nach dem gescheiterten Abspaltungsversuch Kataloniens im Jahr 2017 von der spanischen Justiz verfolgt wurden. Puigdemont war der führende Initiator des damaligen Unabhängigkeitsreferendums, welches das Land in eine seiner schwersten politischen Krisen stürzte. Nach seiner Flucht ins Exil wurde Puigdemont 2019 als Abgeordneter ins Europäische Parlament gewählt. Zuletzt lebte er in Belgien und Südfrankreich.
T.Samara--SF-PST