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Verzweifelte Suche nach vermissten Mädchen nach Flutkatastrophe in Texas
Nach einer verheerenden Sturzflut im US-Bundesstaat Texas suchen Helfer in einem Rennen gegen die Zeit nach dutzenden Vermissten, darunter elf Mädchen, die an einem Sommerlager teilgenommen hatten. Bis Sonntag wurden nach Behördenangaben und Medienberichten 68 Tote geborgen, darunter allein 59 im Landkreis Kerr mit zahlreichen Campingplätzen am Flussufer. Unterdessen drohten neue Regenfälle und weitere Sturzfluten.
Nach heftigen Regenfällen war der Wasserstand im Guadalupe-Fluss in der Nacht zum Freitag meterhoch angestiegen, das Wasser überschwemmte die Hütten des "Camp Mystic", während die Teilnehmerinnen eines Sommerlagers für 750 Mädchen darin schliefen. Mehrere Kinder wurden von den Fluten mitgerissen.
Zurück blieb ein Bild der Verwüstung: Die Fenster der Hütten waren von der Wucht der Fluten zerschmettert, auf dem Boden lagen von Schlamm überzogene Teddys, Decken und andere Habseligkeiten verstreut. "Camp Mystic" sei "furchtbar zerstört, wie ich es noch nie bei einer Naturkatastrophe erlebt habe", sagte der texanische Gouverneur Greg Abbott nach einem Besuch vor Ort.
Allein im Landkreis Kerr, in dem das Sommerlager liegt, wurden laut Sheriff Larry Leitha 59 Tote geborgen, darunter 21 Kinder. Es sei "traurigerweise" zu erwarten, dass die Totenzahl noch weiter steigen werde, sagte Vizegouverneur Dan Patrick dem Sender Fox News.
Patrick berichtete von einer Ferienlager-Betreuerin, die das Fenster einer Hütte einschlug, damit Mädchen im Schlafanzug hinausgelangen und um ihr Leben schwimmen konnten: "Diese kleinen Mädchen sind zehn oder 15 Minuten geschwommen. In der Dunkelheit und dem rauschenden Wasser und auf sie zutreibenden Baumstämmen, können Sie sich das vorstellen?", schilderte Patrick. Schließlich hätten die Kinder trockenes Land erreicht.
Laut Verwaltungschef Dalton Rice aus der nahe dem Sommerlager gelegenen Stadt Kerrville wurden am Sonntagmorgen noch elf Mädchen aus dem "Camp Mystic" vermisst.
Der Wasserstand des Guadalupe-Flusses war am Freitag binnen 45 Minuten um acht Meter angestiegen. Die Überschwemmungen am US-Nationalfeiertag waren durch heftige Regenfälle von bis zu 300 Litern pro Quadratmeter ausgelöst worden - ein Drittel der durchschnittlichen jährlichen Niederschlagsmenge im Landkreis Kerr.
In "Camp Mystic" durchforstete am Samstag der 40-jährige Michael die Trümmer auf der Suche nach seiner achtjährigen Tochter. "Meine Tochter war hier", sagte er und deutete auf eine steinerne Hütte mit zerbrochenen Fenstern. In der Hütte fand er ein Handtuch mit dem Namen seiner Tochter, ihr Armband und ein Familienfoto. Er hoffe bei der Suche nach seiner Tochter auf "ein Wunder", sagte der Familienvater.
Die Suche werde fortgesetzt, "bis wir alle Mädchen gefunden haben, die sich in diesen Bungalows befunden haben", versicherte Gouverneur Abbott.
Laut Katastrophenschutz-Chef Nim Kidd waren Rettungsteams in der Luft, am Boden und zu Wasser im Einsatz. Rund 500 Rettungskräfte sowie 14 Hubschrauber waren beteiligt, auch Drohnen wurden eingesetzt.
Der US-Wetterdienst NWS sagte für Sonntag weiteren Starkregen und neue Überschwemmungen in der Region voraus. Die Behörde rief Anwohner in Flussnähe auf, höher gelegene Gebiete aufzusuchen.
Präsident Donald Trump unterzeichnete in seinem Golfclub in Bedminster eine Katastrophenfall-Erklärung, mit der Bundeshilfen für Texas freigegeben werden.
Kommunalvertreter klagten, sie seien nicht vor der Sturzflut gewarnt worden. "Wir haben nicht gewusst, dass diese Flut kommt", sagte der Verwaltungsbeamte Rob Kelly aus dem Landkreis Kerr.
Der Präsident werde für eine Verbesserung der Technologien beim Wetterdienst NWS und der Klimabeobachtungsbehörde NOAA sorgen, sagte Heimatschutzministerin Kristi Noem. Allerdings waren seit Trumps Amtsantritt im Januar Mittel für beide Behörden gekürzt und zahlreiche Wissenschaftler entlassen worden.
Sturzfluten sind in der von der jetzigen Katastrophe betroffenen Region im Zentrum und Süden von Texas keine Seltenheit, sie ist als "Flash Flood Alley" (Sturzflutkorridor) bekannt. Solche plötzlichen Überschwemmungen entstehen, wenn der Boden heftige Regenfälle nicht aufnehmen kann. Wissenschaftlern zufolge führt der Klimawandel allerdings dazu, dass extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen, Dürren und Hitzewellen häufiger und heftiger auftreten als in der Vergangenheit.
I.Matar--SF-PST