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Ganztägige Sperrung der Brennerautobahn wegen Protests: Vorerst kein Verkehrschaos
Wegen eines Anwohnerprotests gegen das massive Verkehrsaufkommen auf der österreichischen Brennerautobahn ist die wichtigste Verkehrsverbindung nach Italien am Samstag ganztägig gesperrt worden. Von 11.00 bis 19.30 Uhr dürfen Autos die normalerweise stark genutzte Alpenquerung nicht befahren, für Lastwagen trat das Verbot bereits um 09.00 Uhr morgens in Kraft.
Das Gebiet muss weiträumig umfahren werden. Die Brennerstraße B182, die Ellbögener Straße (L38) und die Stubaitalstraße (B183) dürfen am Samstag nur Fahrer nutzen, die in der Gegend zu tun haben. Sie müssen dafür einen Nachweis erbringen, wie die Buchungsbestätigung für ein Hotel in der Region oder einen Lieferschein.
Der ADAC und das Auswärtige Amt in Berlin hatten vorab gewarnt, dass auf den Ausweichstrecken bis in den Sonntag hinein mit Staus zu rechnen sei. Das befürchtete Verkehrschaos blieb aber zunächst aus. Am Samstagmorgen war die Lage auf den Straßen in der Region ruhig.
Auf deutscher Seite gebe es derzeit keine Staus wegen der Sperrung der Brennerautobahn, sagte ein ADAC-Sprecher am Morgen der Nachrichtenagentur AFP. Am Freitagabend hatte sich der Verkehr demnach auf der A93 Richtung Grenzübergang Kiefersfelden auf einer Strecke von bis zu 16 Kilometern gestaut, was zu bis zu einer Stunde Zeitverlust führte. Der ADAC ist am Samstag mit mehreren Staubeobachtern auf Motorrädern vor Ort im Einsatz, um Tipps zu geben und gegebenenfalls Unterstützung zu leisten.
Vom Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Club (ÖAMTC) hieß es am Samstagmorgen, es gebe derzeit "überhaupt keine wesentlichen Staus", es sei "bis jetzt sehr ruhig". "Wir haben schon mit mehr gerechnet", hieß es weiter. Anscheinend hielten sich aber viele Fahrerinnen und Fahrer an die Aufforderung, am Samstag nicht über die Alpen zu fahren.
Die Sperrung der wichtigsten Verkehrsverbindung nach Italien fällt in die Pfingstferien mehrerer deutscher Bundesländer. Anlass der Sperrung der Brennerautobahn ist eine Protestkundgebung gegen die Belastung der Anwohner durch den massiven Verkehr, die der Bürgermeister des angrenzenden Tiroler Ortes Gries, Karl Mühlsteiger, als Privatperson angemeldet hat. Die Demonstration soll um 13.00 Uhr beginnen und bis 16.30 Uhr dauern.
Mühlsteiger sagte AFP, es gehe bei dem Protest darum, "dass wir ein Zeichen setzen gegenüber Brüssel, gegenüber der Bundesregierung in Wien, dass es so mit dem stetig steigenden Verkehr bei uns nicht mehr weitergehen kann und nicht mehr weitergehen darf". Das massive Verkehrsaufkommen mit seinen Folgen sei "für die Bevölkerung nicht mehr schaffbar, nicht mehr aushaltbar".
Über die Brennerautobahn sind laut dem österreichischen Mobilitätsverein VCÖ im vergangenen Jahr mehr als 2,4 Millionen Lastwagen gefahren. Auf den Transitrouten der benachbarten Schweiz seien es hingegen nur rund 860.000 Lkw gewesen.
Mühlsteiger wirbt daher dafür, die Lkw-Maut auf der Brennerautobahn auf das Schweizer Niveau anzuheben. In der Folge würde sich am Brenner "der Schwerverkehr halbieren, das wäre für uns schon eine sensationelle Errungenschaft", sagte er am Freitag dem Bayerischen Rundfunk.
Die geplante Protestkundgebung war laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA von den Tiroler Landesbehörden zweimal nicht erlaubt worden. Das Tiroler Landesverwaltungsgericht gab dann jedoch einer Beschwerde gegen den entsprechenden Bescheid wegen Verletzung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit statt.
Y.Shaath--SF-PST