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Prozess: Anwalt von Prinz Harry wirft Zeitungsverlag "systematischen" Gesetzesbruch vor
Zum Beginn des Prozesses von Prinz Harry gegen britische Medien wegen illegaler Informationsbeschaffung hat dessen Anwalt dem Boulevardzeitungsverlag ANL "systematischen" Gesetzesbruch vorgeworfen. Die Zeitungen "Daily Mail" und "Mail on Sunday" hätten systematisch illegale Mittel eingesetzt, um an Informationen über den jüngeren Sohn von König Charles III. zu gelangen, sagte Anwalt David Sherbone am Montag bei der Eröffnung des Prozesses vor dem Londoner High Court.
Prinz Harry saß bei der Prozesseröffnung im Gerichtssaal, am Donnerstag soll er als Zeuge aussagen. Er und sechs weitere prominente Kläger werfen dem Verlag ANL unter anderem vor, Privatdetektive angeheuert zu haben, um Autos und Wohnungen zu verwanzen sowie illegal private Telefongespräche abzuhören. Zudem hätten die Detektive falsche Identitäten angegeben, um an medizinische Unterlagen zu gelangen. Die Taten sollen zwischen 1993 und 2018 begangen worden sein.
Zu den Klägern gehören neben Prinz Harry unter anderen Popstar Elton John und dessen Ehemann David Furnish sowie die Schauspielerinnen Elizabeth Hurley und Sadie Frost. Der Prozess soll voraussichtlich neun Wochen dauern.
Der Verlag weist die Vorwürfe zurück und bezeichnete diese in der Vergangenheit als "sensationslüstern" und "grotesk". Anwalt Sherborne sagte hingegen, das Verfahren werde zeigen, dass Journalisten beider Boulevardzeitungen über zwei Jahrzehnte hinweg "klar und systematisch mit illegalen Methoden Informationen gesammelt haben".
Den Verantwortlichen bei ANL sei ganz klar gewesen, "dass sie Leichen im Keller haben", ihre "nachdrücklichen Dementis" seien unglaubwürdig. Laut Sherborne ließen Verlagsvertreter zahlreiche Unterlagen vernichten um die illegalen Handlungen zu vertuschen, darunter Rechnungen von Privatdetektiven. Er kündigte jedoch an, "unwiderlegbare Beweise" vorzulegen.
Es ist der letzte von drei Prozessen, die Prinz Harry in den vergangenen Jahren gegen britische Zeitungsverlage angestrengt hat. Der jüngere Sohn von König Charles III. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die häufig übergriffigen britischen Boulevardzeitungen in die Schranken zu weisen.
Der 41-Jährige macht die Boulevardmedien für den Tod seiner Mutter Prinzessin Diana verantwortlich, die 1997 in Paris auf der Flucht vor Paparazzi bei einem Autounfall ums Leben kam. Auch den Rückzug von seinen royalen Pflichten und den Umzug mit seiner Frau Meghan nach Kalifornien im Jahr 2020 begründete Prinz Harry unter anderem mit dem Druck der britischen Boulevardzeitungen.
In einem anderen Prozess hatte der High Court 2023 geurteilt, dass Journalisten des Verlags MGN Prinz Harrys Handy gehackt hatten und ihm eine Entschädigung in Höhe von 140.600 Pfund (nach damaligem Kurs rund 162.000 Euro) zugesprochen. Der Verlag NGN von Rupert Murdoch schließlich legte einen Streit mit dem 41-Jährigen außergerichtlich bei. Er veröffentlichte eine Entschuldigung und erklärte sich nach Angaben seines Anwalts zu einer "erheblichen" Entschädigung bereit.
Im jetzt begonnenen Verfahren gegen ANL soll nach Prinz Harry noch in diesem Monat auch Schauspielerin Hurley aussagen, im Februar werden die Zeugenaussagen von Elton John und David Furnish erwartet.
Prinz Harry und seine Frau Meghan hatten sich 2020 im Streit mit der britischen Königsfamilie von ihren royalen Pflichten zurückgezogen, sie leben mit ihren Kindern Archie und Lilibet in Meghans Heimat Kalifornien. Seither hält sich Harry nur noch selten in seiner alten Heimat auf.
Zuletzt war er im vergangenen September in Großbritannien, dabei traf er zum ersten Mal nach eineinhalb Jahren seinen an Krebs erkrankten Vater König Charles III. Laut britischen Medienberichten ist während seines aktuellen Besuchs kein Treffen der beiden geplant.
I.Matar--SF-PST