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Frankreich erhebt Strafen auf Wegwerfmode: Zwölf Euro pro Jacke
Eine Billigjacke eines Onlinehändlers wie Shein oder Temu kostet in Frankreich künftig bis zu zwölf Euro mehr. Die Regierung veröffentlichte am Freitag im Amtsblatt die neuen Regeln, die die Verbreitung sogenannter Wegwerfmode einschränken sollen und ab dem 1. September gelten. Im laufenden Jahr werden demnach auch 50 Cent für Unterhosen oder Socken, zwei Euro für ein T-Shirt und neun Euro für Jeans fällig, die bestimmten Kriterien entsprechen. Frankreich wolle auf diese Weise gegen ein Geschäftsmodell vorgehen, "das darauf beruht, dass ein Kleidungsstück in Rekordzeit von der Ladenfläche in die Mülltonne wandert", schrieb der Umwelt-Staatssekretär Mathieu Lefèvre im Onlinedienst X.
"Die schädlichen Auswirkungen der Ultra-Fast-Fashion auf unsere Umwelt und unsere Wirtschaft sind bekannt und dokumentiert", fügte er hinzu. Die Kriterien sind so formuliert, dass sie in erster Linie asiatische Onlinehändler wie Shein und Temu treffen, nicht aber Ketten wie Zara, H&M oder Uniqlo, die in Frankreich Arbeitsplätze bieten. Entscheidend ist die Menge der Modelle, die auf den Markt gebracht werden, und deren Preis im Verhältnis zu einer Reparatur.
Die Strafzahlungen sollen bis 2030 ansteigen und dann etwa zwei Euro für Unterhosen und 19,50 Euro für eine Jacke erreichen. Das Geld soll in einen Fonds fließen, mit dem vorbildliche Unternehmen unterstützt werden sollen. Dazu sind bislang keine Details bekannt.
Grundlage dafür ist ein Anfang Juli verabschiedetes Gesetz, das zudem die Werbung für Wegwerfmode verbietet. Unternehmen sind demnach auch verpflichtet, Kunden zu "Genügsamkeit, Wiederverwertung und Reparatur" zu mahnen. Ähnliche Hinweise gibt es bereits bei der Werbung für Fastfood in Frankreich, wo Konsumenten gemahnt werden, Gemüse zu essen und Sport zu treiben. Der Erfolg dieser Moralbotschaften ist allerdings kaum messbar.
Die von der EU eingeführten Zölle auf kleine Pakete führten ihrerseits zu einem Rückgang der Kleinsendungen aus China um 30 bis 40 Prozent, wie der französische Zoll mitteilte. Seit dem 1. Juli ist eine Abgabe von drei Euro für Kleinsendungen fällig. 2025 waren knapp sechs Milliarden Kleinsendungen nach Europa, davon 93 Prozent aus China.
Der französische Markt wird nach einem parlamentarischen Bericht jährlich mit 3,3 Milliarden Kleidungsstücken überschwemmt, eine Milliarde mehr als noch vor zehn Jahren. Im Schnitt kommen auf jeden Einwohner jährlich 48 neue Kleidungsstücke. Dies führt dazu, dass Kleidung immer schneller weggeworfen wird - in zwei Dritteln der Fälle wären die Sachen jedoch noch brauchbar.
Die Berichterstatter beschreiben dies als "emotionale Obsolenz": Die Sachen werden nur deshalb weggeworfen, weil sie ihren Besitzerinnen und Besitzern nicht mehr gefallen. Nach offiziellen Angaben werden in Frankreich jährlich 600.000 Tonnen Textilien weggeworfen.
Z.Ramadan--SF-PST