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Ende des Tankrabatts: Inflation steigt im Juli auf voraussichtlich 2,8 Prozent
Die hohen Preise für Benzin und Diesel haben den Preisanstieg in Deutschland im Juli stark beschleunigt: Die Teuerung lag bei voraussichtlich 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Bis Juni hatte sich die Inflationsrate auf 2,3 Prozent verringert, ein gewichtiger Grund dafür war der staatliche Tankrabatt.
"Der Anstieg der Inflation im Juli auf 2,8 Prozent ist keine Überraschung, sondern auf das Ende des Tankrabatts und den Rohölpreisanstieg nach dem Wiederaufflammen des Irankriegs zurückzuführen", erklärte Inflationsexpertin Silke Tober vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Auch ING-Analyst Carsten Brzeski betonte, die erste Schätzung der Gesamtinflation für Juli spiegele die vollen Auswirkungen der gestiegenen Energiepreise wider.
Die Preise für Energie insgesamt stiegen im Juni laut Statistikamt um 8,3 Prozent im Vorjahresvergleich. Im April hatte der Anstieg sogar 10,1 Prozent betragen. Im Mai und Juni griff dann der Tankrabatt der Bundesregierung, die Energiesteuern auf Benzin und Diesel sanken damit um fast 17 Cent pro Liter. Im Mai lag der Energiepreisanstieg so bei 6,6 Prozent, im Juni sogar bei nur 3,4 Prozent.
Der Tankrabatt kostete den Staat geschätzt 1,6 Milliarden Euro. Der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) sagte am Donnerstag, die Steuersenkung sei sehr teuer gewesen. "Deswegen sind wir uns einig in der Bundesregierung, dass wir dieses Instrument nicht noch einmal machen können", sagte er den Sendern RTL und ntv.
Nahrungsmittel verteuerten sich im Juli laut Statistikamt um 0,4 Prozent im Vorjahresvergleich. Die Preise für Dienstleistungen stiegen um 2,9 Prozent.
Laut Analyst Brzeski beschleunigte sich im Juli neben dem Preisanstieg bei Energie auch der bei Waren, Transport und Gesundheitsversorgung. Er rechne auch weiterhin mit gewissen Folgewirkungen höherer Energiepreise auf die Transportkosten, die Lebensmittelpreise und andere Industrieprodukte, erklärte der Volkswirt.
Sorge macht zudem die aktuelle Hitzewelle in Europa: "Niedrigere Wasserstände in den wichtigsten Wasserwegen könnten zu neuen Störungen in den Lieferketten führen, und Ernteschäden könnten die Inflation bei den Lebensmittelpreisen weiter anheizen", erklärte Brzeski. So könnte die Inflation in den kommenden Monaten noch über drei Prozent steigen.
Auch die Chefvolkswirtin der DZ Bank, Sonja Marten, sieht "das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht". Die Lage in Nahost bleibe unübersichtlich. "Umso länger die hohen Energiepreise Bestand haben, desto größer werden auch die indirekten inflationären Effekte ausfallen", erklärte auch sie.
Die Zahlen des Statistikamtes sind noch vorläufig. Endgültige Ergebnisse veröffentlicht die Behörde am 12. August.
K.Hassan--SF-PST