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Umfrage zeigt hohe Erwartung an deutschen Sozialstaat - und Bereitschaft zum Zahlen
Die Menschen in Deutschland haben einer Umfrage zufolge hohe Erwartungen an den Sozialstaat - und sind auch bereit, dafür zu zahlen. Die am Mittwoch vorgestellte Erhebung "Sozialstaatsradar 2026" zeige, "dass die Menschen nach wie vor solidarische Sicherungssysteme wollen und dass die Privatisierung sozialer Risiken als Alternative von großen Teilen abgelehnt wird", sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel in Berlin. Dies gelte für die sozialen Sicherungssysteme bei Rente, Gesundheit und Pflege.
In der Umfrage zeigten sich 75 Prozent der befragten Beschäftigten bereit, höhere Beiträge zu zahlen, wenn damit stabile oder bessere Rentenleistungen gesichert werden. Jeder Achte zeigte sich sogar offen dafür, deutlich höhere Beiträge zu zahlen, wenn dadurch das Rentenniveau angehoben wird.
"Der Sozialstaat ist den Menschen etwas wert", resümierte Peer Rosenthal, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen. "Sie wissen aber auch: Gute Leistungen gibt es nicht umsonst." Wer Sicherheit im Krankheitsfall oder im Alter wolle, müsse den Sozialstaat auch solide finanzieren - "und dazu ist auch die große Mehrheit der Versicherten bereit", sagte Rosenthal.
Der DGB und die Arbeitnehmerkammern Bremens und des Saarlands, die die Erhebung in Auftrag gegeben haben, werteten die Ergebnisse als Absage an einen Rückbau des Sozialstaates. In Deutschland "könnten sich eigentlich nur Millionäre mit einem schwache Sozialstaat einrichten", sagte Piel. Für alle anderen seien etwa die hohen Zuzahlungen bei der Pflege nicht verkraftbar. "Der Auftrag an die Politik ist klar: Das Sicherungsniveau muss steigen."
Die bestehenden Unterschiede zwischen gesetzlicher und privater Absicherung im Bereich Gesundheit und Pflege würden von einer großen Mehrheit als ungerecht empfunden, heißt es in der Studie. Eine große Mehrheit spreche sich dafür aus, dass mehr Menschen in die Sicherungssysteme einzahlen müssen.
Fast 80 Prozent sprechen sich für ein Ende der privaten Kranken- und Pflegeversicherung und für eine Bürgerversicherung aus - darunter sogar eine Mehrheit der Privatversicherten. 77 Prozent der Befragten befürworteten im "Sozialstaatsradar" eine gemeinsame Rentenversicherung, rund 60 Prozent wollten Eigenanteile in der Pflege begrenzen oder abschaffen.
Ein Generationenkonflikt bei der Rente ist den Urhebern der Studie zufolge nicht erkennbar: 71 Prozent der 18- bis 29-jährigen Befragten seien bereit, höhere Beiträge zu zahlen, wenn die Rente stabil bleibt oder höher ausfällt. 74 Prozent lehnten eine weitere Anhebung des gesetzlichen Rentenalters ab. Mehr als die Hälfte äußerten die Erwartung, den Beruf nicht bis zur früheren Regelaltersgrenze von 65 Jahren ausüben zu können.
Der DGB und die Arbeitnehmerkammern leiteten aus den Ergebnissen eine Reihe von politischen Forderungen ab. "Der Sozialstaat scheitert nicht am Geld, sondern am fehlenden politischen Mut zu verlässlich guten Leistungen", schreiben sie. "Wer Sicherheit will, muss sie gerecht finanzieren - etwa durch einen größeren Versichertenkreis. Auch Unternehmen stehen hier in der Verantwortung."
In der öffentlichen Debatte werde der Sozialstaat "häufig als überholt dargestellt, als ineffizient und zu teuer", kritisieren die Autorinnen und Autoren. "Dieser Diskurs über mehr Eigenvorsorge spiegelt jedoch nicht die Präferenzen der Bevölkerung wider."
Der "Sozialstaatsradar" erhebt einmal jährlich grundlegende Positionen zum Sozialstaat sowie zu den drei großen Themenfeldern Gesundheit, Pflege und Rente. Für die aktuelle Erhebung wurden Vom 7. bis 20. Januar 2026 insgesamt rund 3000 Menschen befragt.
G.AbuOdeh--SF-PST