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Experten fordern Rückholung deutscher Goldreserven in den USA
Angesichts der unsicheren Weltlage sind im Umfeld der Bundesbank und in der Politik Forderungen laut geworden, die deutschen Goldreserven im Wert von 164 Milliarden Euro aus New York abzuziehen. Der frühere Leiter der Forschungsabteilung der Bundesbank, Emanuel Mönch, sagte am Mittwoch dem "Handelsblatt": Es scheine "aktuell riskant, so viel Gold in den USA zu lagern." Bundesbankpräsident Joachim Nagel lehnt eine Verlagerung allerdings ab.
Mönch betonte, im Sinne einer "größeren strategischen Unabhängigkeit von den USA wäre die Bundesbank darum gut beraten, über eine Rückholaktion nachzudenken".
Auch die finanzpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Katharina Beck, brachte eine Verlagerung ins Spiel. Die Goldreserven seien "ein wichtiger Stabilitäts- und Vertrauensanker", sagte sie dem "Handelsblatt". "Sie dürfen auf keinen Fall zum Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen werden." Solange US-Präsident Donald Trump regiere, sei ein solches Szenario wohl am sichersten ausschließen, "wenn die Goldreserven ab jetzt in Deutschland verwahrt werden".
Der Europäische Steuerzahlerbund forderte ebenfalls eine Rückholung. "Trump ist nicht kalkulierbar, und er tut alles, um Einnahmen zu generieren", sagte der Chef der Taxpayers Associaton of Europe (TAE), Michael Jäger, der "Rheinischen Post" (Donnerstag). "Darum ist unser Gold in den Tresoren der Fed nicht mehr sicher", führte er aus. Das Risiko steige, "dass die Deutsche Bundesbank nicht mehr auf ihr Gold zugreifen kann", warnte Jäger und betonte zugleich, dass die Bundesbank unabhängig sei und eine solche Entscheidung treffen könne. "Sie muss nicht demütig sein gegenüber der Politik."
Die Bundesbank lagert 1236 Tonnen Gold bei der regionalen US-Notenbank Fed in New York. Der Bundesbankpräsident lehnt eine Verlagerung ab. Unterstützung erhält er von den Regierungsfraktionen im Bundestag.
Der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Fritz Güntzler (CDU), sagte der Zeitung, es sei weiter sinnvoll, einen Teil der Reserven in den USA zu lagern: "In der aktuellen Lage öffentlichkeitswirksam über einen Abzug der Goldreserven zu spekulieren, ist dagegen nicht förderlich."
Die finanzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Frauke Heiligenstadt, kann Sorgen um die Goldreserven nach eigenen Angaben zwar nachvollziehen, rät aber von "Panik" ab: "Die deutschen Goldreserven sind gut diversifiziert angelegt." Die Hälfte liege in Frankfurt, "so dass unsere Handlungsfähigkeit sichergestellt ist". Der Standort New York sei sinnvoll, denn "Deutschland, Europa und die USA sind finanzpolitisch eng miteinander verbunden".
Der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, hält ebenfalls nichts von einer Rückholung. "Aus geldpolitischen Gründen kann es sinnvoll sein, das Gold für bestimmte Transaktionen in den USA zu belassen", sagte Hüther der "Rheinischen Post". Mit einer Rückholung würde man Trump außerdem nicht beeindrucken.
Stattdessen fordert der IW-Chef eine Alternative bei Kreditkarten. "Die EU sollte den Streit mit den USA zum Anlass nehmen, sich beim Zahlungsverkehr strategisch unabhängiger aufzustellen", sagte Hüther. "Stand heute sind wir vollständig abhängig von den US-Anbietern Visa und Mastercard und damit erpressbar", warnte er. Es brauche dringend Alternativen.
M.Qasim--SF-PST