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Gletscher-Experte warnt vor drastischem Rückgang der Eisfläche in der Schweiz
Ein Jahr nach der Rekord-Gletscherschmelze in der Schweiz hat ein führender Gletscher-Experte auch für 2023 vor einer negativen Entwicklung gewarnt. Die Situation sei nicht so extrem wie 2022, erklärte Professor Matthias Huss, Leiter der Gletscherüberwachung in der Schweiz (Glamos), am Mittwoch. Dennoch sei 2023 "immer noch auf dem Weg zum zweitnegativsten Jahr in der Geschichte".
"Noch mehr als ein Monat bis zur Schmelzsaison. Wie geht es den Schweizer Gletschern derzeit? Nicht gut!", schrieb Huss auf Englisch auf der Online-Plattform X, die früher Twitter hieß. Er sei sehr gespannt auf die endgültigen Messungen für das Jahr, die für Mitte September erwartet würden. "Trotz einer eher kühlen Phase in den vergangenen Wochen liegen alle Gletscher deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre", warnte er. Zudem zeichne sich eine neue Hitzewelle ab.
Einer im vergangenen September veröffentlichten Studie zufolge waren im "desaströsen Jahr" 2022 "alle Eisschmelzrekorde gebrochen" worden. Laut der Studie der Kommission für Kryosphärenbeobachtung der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften waren drei Kubikkilometer Eis – drei Billionen Liter Wasser – auf den Gletschern abgeschmolzen. Das entsprach über sechs Prozent ihres Eisvolumens. Bis dahin galt ein Verlust von zwei Prozent in einem Jahr als extrem, wie aus dem Bericht hervorgeht.
Allgemein schmolzen die Gletscher in den europäischen Alpen im vergangenen Jahr aufgrund geringer Schneefälle im Winter, Staub aus der Sahara und Hitzewellen zwischen Mai und Anfang September in einem Rekordmaß ab.
Gletscher-Experte Huss warnte, dass die Schweizer Gletscher bis zum Ende dieses Jahrhunderts wahrscheinlich so gut wie verschwinden würden, sollten nicht radikale Maßnahmen ergriffen werden, um den Abbau zu verlangsamen. Der Rückgang der Gletscher sei "an sich ist nicht mehr aufhaltbar", sagte Huss gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Es sei aber "noch möglich, einen beträchtlichen Teil der Eismasse zu retten".
Der Juli war auf der Erde der bisher mit Abstand heißeste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen. Nach Angaben des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus lag die durchschnittliche globale Lufttemperatur im vergangenen Monat um 0,33 Grad höher als im bisherigen Rekordmonat Juli 2019.
Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) der Vereinten Nationen waren auch die vergangenen acht Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Die UN-Organisation prognostiziert, dass die globalen Temperaturen in mindestens einem der kommenden fünf Jahre vermutlich vorübergehend über den im Pariser Abkommen festgelegten Schwellenwert von 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen werden.
Das 2015 abgeschlossene Pariser Klimaabkommen sieht vor, die Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst aber auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das Klima hat sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts bereits um fast 1,2 Grad Celsius erwärmt. Die Folge sind extreme Wetterphänomene wie schwere Dürren, heftigere Stürme und intensivere Hitzewellen.
M.Qasim--SF-PST