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Trumps Angriff auf den Dollar
Ein beispielloser Konflikt zwischen dem US-Präsidenten und der Notenbank sorgt für Unruhe an den Finanzmärkten. Mitte Januar 2026 wurde bekannt, dass das US-Justizministerium dem Federal Reserve‑System grand‑jury‑Vorladungen zugestellt hat. Offiziell geht es um mutmaßlich überteuerte Renovierungsarbeiten an historischen Verwaltungsgebäuden, doch der Vorsitzende der Notenbank, Jerome Powell, erklärte in einer Videobotschaft, dass diese Ermittlungen als Vorwand dienten. Die Strafandrohung habe nur das Ziel, die unabhängige Zinspolitik des Federal Reserve (Bundesreserve) zu unterwerfen. Powell betonte, dass die Federal Reserve die gesetzlichen Aufsichtsrechte des Kongresses umfassend erfülle und nannte die Ermittlungen eine beispiellose politische Einmischung. Er befürchtet, dass es dabei um die Frage geht, ob Geldpolitik auf Basis von Daten getroffen oder durch politischen Druck gesteuert wird.
Der US-Präsident hat Powell seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 immer wieder vollkommen fragwürdig beschimpft und zum Rücktritt gedrängt. Weil die Federal Reserve die Zinsen 2025 nur schrittweise senkte und die hohe Inflation größtenteils auf den protektionistischen Kurs der US‑Regierung zurückführte, verstärkte der Präsident den Druck. Er nannte den Zentralbankchef „moron“, „Bonehead“ und drohte ihm wegen „Inkompetenz“ mit einer Klage. Hinter den Ermittlungen steht die von ihm eingesetzte Staatsanwältin in Washington, die die Renovierungskosten zum Anlass nahm, um ein Strafverfahren einzuleiten. Weder Justizministerin noch ihr Stellvertreter wurden laut Berichten im Voraus informiert.
Reaktionen von Politik und Experten
Die juristische Offensive löste parteiübergreifend scharfe Kritik aus. Mehrere republikanische Senatoren machten deutlich, dass sie keine Nominierungen für das Federal Reserve Board bestätigen werden, solange die Ermittlungen laufen. Demokratische Abgeordnete bezeichneten das Vorgehen als Angriff auf den Rechtsstaat und als Schritt hin zur Autokratie. Sie warnten davor, dass der Präsident den Fed‑Vorsitzenden „einsperren“ wolle, nur weil dieser seine Zinspolitik nicht nach den Vorstellungen des Weißen Hauses ausrichte. Auch ehemalige Fed‑Vorsitzende und führende Ökonomen warnen, dies erinnere an Länder mit schwachen Institutionen, in denen die Regierung die Notenbank kontrolliert – oft mit fatalen Folgen für Preisstabilität und Wirtschaft. Selbst Marktliberale mahnten, der Missbrauch der Strafverfolgung könne Investoren vertreiben und das Vertrauen in die Vereinigten Staaten untergraben.
International solidarisierten sich zahlreiche Zentralbanker mit Powell. Sie wiesen darauf hin, dass eine unabhängige Geldpolitik unerlässlich sei, um langfristig stabile Preise und eine funktionierende Volkswirtschaft zu gewährleisten. Einige Beobachter verglichen die aktuellen Entwicklungen mit autoritären Praktiken in der Türkei oder Venezuela, wo populistische Regierungen versuchten, die Geldpolitik zu kontrollieren und dadurch Hyperinflation auslösten.
Auswirkungen auf den Finanzmarkt
Die Märkte reagierten sensibel auf die Eskalation. Nachdem die Strafandrohung bekannt wurde, gaben die Kurse des US‑Dollars gegenüber wichtigen Währungen deutlich nach. Der Dollar‑Index, der die Stärke der US‑Währung im Verhältnis zu einem Korb anderer Leitwährungen misst, rutschte um fast ein halbes Prozent ab. Der Euro stieg über 1,16 US‑Dollar, der Schweizer Franken erreichte ein Zehnjahreshoch gegenüber der US‑Währung, und Anleger flüchteten in sichere Häfen wie Gold und Silber. Analysten erläuterten, dass der drohende Verlust der Notenbankunabhängigkeit und die Aussicht auf künftig noch höhere US‑Schulden Investoren abschrecken. Gold stieg auf über 4 600 US‑Dollar je Feinunze, und auch die Silberpreise erreichten Rekordstände.
Die Unsicherheit über die künftige Zinspolitik ließ die Renditen langlaufender US‑Staatsanleihen steigen, da Investoren höhere Risikoaufschläge verlangten. Gleichzeitig verzeichnete der Aktienmarkt zunächst Abgaben; später stützten jedoch Technologiewerte die Kurse. Einige Analysten warnen, dass dauerhafter politischer Druck auf die Federal Reserve zu höherer Inflation, Kapitalflucht und einer Abwertung des Dollar führen könnte. Nomura‑Devisenstrategen wiesen zudem darauf hin, dass neben geopolitischen Risiken vor allem der Vertrauensverlust in die US‑Geldpolitik den Dollar belaste.
Mögliche Folgen für den Dollar
Die Attacken des Präsidenten auf die Federal Reserve sind kein neues Phänomen. Bereits 2025 hatte die US‑Währung nach wiederholten öffentlichen Beschimpfungen des Notenbankchefs deutlich an Wert verloren. Analysten stellten fest, dass der Dollar‑Index im Laufe des Jahres zweistellige Verluste verbuchte und die extreme Volatilität an den Devisenmärkten insbesondere mit den politischen Einflussversuchen auf die Geldpolitik zusammenhing. Damals wie heute treiben protektionistische Zollpolitik und das Bestreben, Zinssenkungen zu erzwingen, die Inflation in die Höhe. Investoren befürchten, dass eine politisch gefügige Notenbank die Zinsen zu stark senkt und damit eine Teuerungsspirale auslöst.
Neben den innenpolitischen Spannungen belasten auch internationale Faktoren den Status des US‑Dollars als Weltreservewährung. Die globale Gemeinschaft beobachtet aufmerksam, ob die USA weiterhin eine berechenbare Geldpolitik betreiben oder ob politische Interessen die Leitwährung schwächen. Sollten sich Investoren in größerem Umfang aus dem Dollar zurückziehen, könnten alternative Reservewährungen wie der Euro oder der chinesische Yuan an Bedeutung gewinnen. Auch digitale Zentralbankwährungen könnten davon profitieren.
Den Blick "vorerst" nach vorn gerichtet
Jerome Powell bleibt voraussichtlich bis zum Ende seiner Amtszeit im Mai 2026 Vorsitzender der Federal Reserve, auch wenn das Weiße Haus bereits potenzielle Nachfolger sondiert. Sollte der Präsident einen loyalen Kandidaten ernennen, könnte der Senat die Ernennung aufgrund der anhaltenden Ermittlungen verzögern. Einige Beobachter gehen davon aus, dass Powell – dessen Mandat als Gouverneur erst 2028 endet – trotz der Strafandrohungen im Board bleiben könnte, um die Unabhängigkeit der Notenbank zu verteidigen.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Vereinigten Staaten ihre traditionell starke Notenbankunabhängigkeit bewahren können. Der Konflikt zwischen dem Präsidenten und dem Federal Reserve‑Chef hat bereits spürbare wirtschaftliche Auswirkungen und stellt das Vertrauen in den US‑Dollar als globale Leitwährung infrage. Ökonomen mahnen, dass eine unabhängige Geldpolitik ein Grundpfeiler wirtschaftlicher Stabilität ist und nicht dem politischen Tagesgeschäft geopfert werden darf.
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