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Lauterbach: Bundesweiter Start von E-Patientenakte ist "Zeitenwende"
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat den deutschlandweiten Start der elektronischen Patientenakte (ePA) an diesem Dienstag als "Zeitenwende" und "längst überfälligen Wendepunkt in der Digitalisierung der Gesundheitsversorgung" begrüßt. "Patientinnen und Patienten bekommen endlich einen Überblick über ihre Daten und Befunde. Ärztinnen und Ärzte können bessere Entscheidungen treffen", betonte Lauterbach am Montag in Berlin. "Damit wird die Qualität der Versorgung besser."
Nach dem laut Gesundheitsministerium erfolgreichen Abschluss der Testphase startet die elektronische Patientenakte am 29. April im gesamten Land. Ihre Nutzung bleibt für die Ärztinnen und Ärzte sowie für Apotheken und Krankenhäuser allerdings zunächst freiwillig. Die verpflichtende Nutzung für alle Leistungserbringerinnen und -erbringer ist ab 1. Oktober 2025 vorgesehen.
Für die Versicherten bleibt die Nutzung der ePA hingegen freiwillig. Sie können deren Nutzung widersprechen - sowohl generell als auch für bestimmte Anwendungen oder Nutzungsrechte. Ohne aktiven Widerspruch erfolgt die Einführung allerdings automatisch. Lauterbach sagte, bislang hätten etwa fünf Prozent der Versicherten von ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch gemacht.
"Ich bin überzeugt: Bereits nach kurzer Zeit wird die ePA im Versorgungsalltag in Deutschland nicht mehr wegzudenken sein", betonte der SPD-Politiker, der noch bis zum Amtsantritt der neuen Bundesregierung geschäftsführend an der Spitze des Gesundheitsressorts steht. "Fortschrittliche Ärztinnen und Ärzte werden die ePA direkt nutzen", äußerte er sich überzeugt.
Es handele sich um "das größte Digitalisierungsprojekt, welches wir in Deutschland bisher gemacht haben", so Lauterbach weiter. Er betonte, auch Selbstbestimmungsrechte der Patientinnen und Patienten würden gestärkt, weil diese nun leichter Zugriff auf ihre ärztlichen Befunde erhielten. Verbessert würden zudem Möglichkeiten für die Forschung sowie den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI).
Für die technische Umsetzung ist die Gesellschaft Gematik zuständig. In den vergangenen Monaten hatte es zunächst regional begrenzte Testphasen gegeben. Im Vorfeld der Einführung waren wiederholt Bedenken wegen der Sicherheit der in der ePA zu speichernden Daten geäußert worden, unter anderem von Seiten des Chaos Computer Clubs (CCC).
"Für uns hat die Sicherheit von Gesundheitsdaten oberste Priorität", betonte nun Gematik-Geschäftsführer Florian Fuhrmann. Vor dem Start seien mehrere mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) abgestimmte Sicherheitsmaßnahmen fristgerecht und erfolgreich abgeschlossen worden.
Auch Lauterbach sagte, alle Sicherheitsbedenken seien berücksichtigt worden. Er gehe davon aus, dass Deutschland nun "in wenigen Jahren die modernste elektronische Infrastruktur im Gesundheitswesen haben wird".
Kritik an der Patientenakte kam von der Linkspartei. Deren Gesundheitsexperte Ates Gürpinar nannte diese "eine Gefahr für die Patient:innen". "Es geht erkennbar nicht darum, die Gesundheit und medizinische Sicherheit der Patient:innen zu steigern, sondern Berge sensibler Daten zu sammeln", erklärte Gürpinar in Berlin. Dabei sei unklar, "wer diese personenbezogenen Daten von Millionen Versicherten wie auswerten darf".
N.AbuHussein--SF-PST