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Zentralrat der Juden: Ausschreitungen in Amsterdam sind "Armutszeugnis"
Nach Berichten über verletzte israelische Fußballfans bei Ausschreitungen in Amsterdam haben sich Vertreter von Juden in Deutschland bestürzt gezeigt. "Das sind Bilder des Schreckens", erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, am Freitag im Online-Dienst X. "Die Hatz auf Juden ist wieder ausgebrochen – das waren keine Krawalle unter Fangruppen", fügte er hinzu. Gerade angesichts des bevorstehenden Jahrestags der Reichsprogromnacht am 9. November sei es ein "Armutszeugnis, dass Juden und Israelis in Westeuropa nicht mehr sicher sein können".
"Wir müssen diese Entwicklung sehr ernst nehmen", schrieb Schuster weiter. "Meine Gedanken sind bei den häufig jungen Menschen, die einfach nur ein Fußballspiel ihres Vereins besuchen wollten. Diese Gewalt scheint überall möglich", warnte er.
In der niederländischen Hauptstadt hatte es am Donnerstagabend am Rande einem Europa-League-Spiel zwischen Ajax Amsterdam und Maccabi Tel Aviv Ausschreitungen gegeben. Dem niederländischen Sender AT5 zufolge kam es im Stadtzentrum zu Schlägereien und Vandalismus. Israelische und niederländische Politiker sprachen von "antisemitischer" Gewalt.
Schuster wies auf einen laut Polizei mutmaßlich antisemitischen Vorfall in Berlin vom Sonntag hin, bei dem ein jüdisch-israelischer Fußballfan in einem Lokal angegriffen worden war. In diesem Fall ermittelt der Staatsschutz der Polizei.
Israels Botschafter in Berlin, Ron Prosor, schrieb auf X, die Vorfälle in Amsterdam seien "ein schreckliches Pogrom gegen Juden und Israelis". "In großer Zahl werden Menschen auf europäischem Boden von muslimischen und palästinensischen Randalierern gewaltsam angegriffen, einfach weil sie Juden sind", fügte er hinzu.
Prosor lobte die Antisemitismus-Resolution, welche der Bundestag am Donnerstag nach langen Diskussionen in Folge des Großangriffs der radikalislamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 verabschiedet hatte. Die Resolution sei "ein entschlossenes Bekenntnis, gegen dieses abscheuliche und besorgniserregende Phänomen vorzugehen", schrieb Prosor und forderte: "Es wird höchste Zeit, dass Regierungen und Parlamente in ganz Europa ähnliche Verpflichtungen eingehen und sicherstellen: ,Nie wieder' ist jetzt!"
Bundestagspräsidentin Bärbel Bas äußerte sich am Freitag im Bundestag in Zusammenhang mit dem Gedenken an die November-Pogrome 1938 zu den Vorfällen in Amsterdam. "Wir sind uns der Verantwortung bewusst, die aus der Shoah erwächst. Besonders, da sich Judenhass in unserer Gesellschaft in einem erschreckenden Ausmaß zeigt", sagte sie. "Das gilt nicht nur für Deutschland. Gerade erst heute Morgen sehen wir schockierende Bilder aus Amsterdam von unerträglicher Gewalt gegen israelische Fußballfans."
H.Jarrar--SF-PST