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Neue Premierministerin Liz Truss will Großbritannien durch den "Sturm" führen
Nach ihrer Ernennung durch die Queen hat die neue britische Premierministerin Liz Truss versprochen, Großbritannien durch den derzeitigen "Sturm" aus Energiekrise und zweistelliger Inflation zu führen. In ihrer ersten Rede vor ihrem Amtssitz in der Londoner Downing Street erklärte die 47-Jährige die Wirtschaft, die explodierenden Energiepreise und das staatliche Gesundheitssystem NHS zu ihren Prioritäten.
"So stark der Sturm auch sein mag, ich weiß, dass das britische Volk stärker ist", sagte Truss. Noch für diese Woche kündigte sie Maßnahmen gegen die explodierenden Energierechnungen und zur Sicherung der künftigen Energieversorgung an.
Zuvor hatte Königin Elizabeth II. die bisherige Außenministerin auf ihrem schottischen Sommerschloss zur Premierministerin ernannt und mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Entgegen der Tradition fand der Stabwechsel nicht im Buckingham-Palast in London statt. Die Queen hatte wegen ihrer gesundheitlichen Probleme entschieden, auf Schloss Balmoral im schottischen Hochland zu bleiben, wo sie traditionell den Sommer verbringt. Truss und ihr Vorgänger Boris Johnson mussten daher für die Zeremonie von London zum 800 Kilometer entfernten Balmoral fliegen.
Zunächst empfing die Queen den scheidenden Regierungschef und nahm dessen Rücktritt an. Im Anschluss erfolgte der Termin mit Truss. Das Königshaus veröffentlichte ein Foto, auf dem die beiden Frauen sich auf Schloss Balmoral die Hand geben und die Ernennung damit offiziell machen. Truss ist der 15. Premierminister in der 70-jährigen Regentschaft von Elizabeth II. und die dritte Frau an der Spitze der britischen Regierung.
Anschließend reiste Truss zurück nach London, um vor ihrem neuen Amtssitz in der Downing Street ihre erste Rede als Premierministerin zu halten. Zuvor hatte es im Zentrum Londons noch gedonnert und heftig geregnet, doch bei Ankunft der Wagenkolonne der 47-Jährigen verzogen sich die Wolken.
Truss tritt ihr Amt in schwierigen Zeiten an: Großbritannien leidet unter der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten und einer galoppierenden Inflation. Die Strom- und Gaspreise für die Verbraucher werden im Oktober vermutlich um 80 Prozent steigen, viele Firmen stehen wegen der hohen Energiekosten vor dem Aus.
Am Mittwoch will Truss ihre erste Kabinettssitzung leiten und sich später im Parlament den Fragen der Abgeordneten stellen. Noch am Dienstagabend übertrug die neue Regierungschefin laut einer Erklärung von Downing Street dem bisherigen Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng das Finanzressort. Der bisherige Bildungsminister James Cleverly wird Truss' Nachfolger im Außenministerium.
Johnson hatte sich am Morgen in der Downing Street von seinen Mitarbeitern verabschiedet und seiner Nachfolgerin seine volle Unterstützung zugesichert. Sich selbst verglich er dabei in gewohnt blumiger Sprache mit "einer dieser Antriebsraketen, die ihre Aufgabe erfüllt hat" und nun "in irgendeiner abgelegenen Ecke des Pazifik" abstürzen werde.
Johnson war Anfang Juli nach einer parteiinternen Revolte gegen seine viel kritisierte Amtsführung als Parteichef zurückgetreten. Truss wurde anschließend von den Mitgliedern seiner Tory-Partei zur neuen Parteichefin und damit automatisch auch zur neuen Premierministerin gewählt. Die einstige Brexit-Gegnerin gilt heute als entschiedene Verfechterin des britischen Ausscheidens aus der EU und hat bereits mit Änderungen am Nordirlandprotokoll gedroht, das Teil des Brexit-Abkommens zwischen Brüssel und London ist.
X.Habash--SF-PST