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Nach Hisbollah-Beschuss: Netanjahu wirft Miliz schwere Waffenruhe-Verletzung vor
Die Hisbollah hat am Montag offenbar erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe vergangene Woche eine israelische Stellung angegriffen. Die Miliz teilte mit, sie habe einen israelischen Militärposten auf den Golanhöhen beschossen. Die israelische Armee hatte zuvor erklärt, dass die Hisbollah zwei Geschosse auf das Gebiet abgefeuert habe. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu beschuldigte die Hisbollah einer "schwerwiegende Verletzung" der Waffenruhe und kündigte eine Antwort "mit aller Kraft" an.
Die von der Hisbollah abgefeuerten Geschosse gingen nach Angaben der israelischen Armee in dem Gebiet von Har Dov auf offenem Gelände nieder. Es sei niemand verletzt worden.
Die Hisbollah bekannte sich zu einem Angriff auf eine israelische Stellung auf den Scheba-Farmen, die von Israel als Har Dov bezeichnet werden und die in einem zwischen Israel und dem Libanon umstrittenen Gebiet nahe dem Dorf Kfar Schuba liegen.
In dem etwa 30 Quadratkilometer kleinen Gebiet an der Grenze von Israel, Libanon und Syrien waren im Jahr 2006 zwei israelische Soldaten entführt worden, dies löste damals den zweiten Libanon-Krieg aus.
Israel werde auf den Hisbollah-Angriff "mit aller Kraft" reagieren, kündigte Netanjahu an. "Wir sind entschlossen, die Waffenruhe durchzusetzen und auf jeden Verstoß durch die Hisbollah zurückzuschlagen, wie leicht oder schwer dieser auch sein mag", erklärte der Ministerpräsident. Auch der israelische Verteidigungsminister Israel Katz kündigte im Onlinedienst X eine "harte Antwort" an.
Die Waffenruhe ist seit Mittwoch in Kraft. Sie war nach mehr als einem Jahr zunehmend heftiger Kämpfe unter internationaler Vermittlung zustandegekommen. Israel hatte jedoch angekündigt, weiter gegen Bedrohungen aus dem Libanon vorzugehen, "falls die Hisbollah gegen das Abkommen verstößt und versucht, sich wieder zu bewaffnen". Die israelische Armee führte seitdem vereinzelte Angriffe auf Hisbollah-Stellungen aus, von denen aus ihrer Sicht Verstöße gegen die Waffenruhe ausgingen.
Der israelische Außenminister Gideon Saar wies am Montag Vorwürfe zurück, Israel verletze seinerseits die Waffenruhe. Er reagierte damit auf Kritik seines französischen Kollegen Jean-Noël Barrot. Dieser hatte in einem Telefonat mit Saar an die "Notwendigkeit" erinnert, "dass alle Seiten die Waffenruhe im Libanon respektieren".
"Das Gegenteil ist der Fall", erklärte Saar zu der Kritik des französischen Ministers Israel setze die Waffenruhebedingungen "als Reaktion auf die Verstöße der Hisbollah durch, die sofortige Maßnahmen erfordern". Die vom Iran hochgerüstete Miliz habe versucht, Waffen in den Südlibanon zu schmuggeln. Die "grundlegendste Verletzung der Vereinbarungen" sei jedoch die Präsenz der Hisbollah "südlich des Litani-Flusses".
Die von den USA und Frankreich vermittelte Waffenruhe-Vereinbarung sieht vor, dass die israelische Armee den Südlibanon innerhalb von 60 Tagen schrittweise verlässt. Die Hisbollah soll sich ihrerseits aus dem Grenzgebiet bis hinter den etwa 30 Kilometer von der Grenze entfernten Fluss Litani zurückziehen und ihre militärischen Stützpunkte auflösen. Lediglich die libanesische Armee und UN-Blauhelme der Friedensmission Unifil sollen vor Ort verbleiben.
Die Hisbollah hatte ihre Zustimmung zu der Vereinbarung nicht mehr wie zuvor an eine Waffenruhe im Gazastreifen geknüpft. Nach dem Großangriff der dort herrschenden Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hatte die Hisbollah mit regelmäßigen Raketenangriffen vom Libanon aus eine zweite Front gegen Israel eröffnet.
Als Reaktion beschoss Israel immer wieder Hisbollah-Ziele im Nachbarland. Seit Mitte September hatte die israelische Armee ihre Angriffe dann deutlich verstärkt, zudem startete sie Ende September Bodeneinsätze im Südlibanon.
Nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe hatte die israelische Armee mehrere einzelne Angriffe auf Hisbollah-Ziele gemeldet. So teilte sie am Wochenende mit, ein Waffenlager der Miliz im Südlibanon angegriffen zu haben. Auch attackierten die israelischen Streitkräfte nach eigenen Angaben "militärische Infrastrukturstandorte in der Nähe von Grenzübergängen zwischen Syrien und dem Libanon", die von der Hisbollah für Waffenschmuggel aus Syrien genutzt würden.
Am Montag wurde nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums bei einem israelischen Angriff im Südlibanon ein Mensch getötet.
D.Qudsi--SF-PST