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Ein Toter bei Absturz von DHL-Maschine in Litauen - Ursache unklar
Ein Frachtflugzeug des deutschen Paketdienstleisters DHL ist in Litauen abgestürzt - ein Besatzungsmitlied kam ums Leben, die anderen drei wurden verletzt. Laut DHL war die aus Leipzig kommende Maschine am frühen Montagmorgen bei einer Notlandung rund einen Kilometer vor dem Flughafen der Hauptstadt Vilnius verunglückt. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sprach von der Möglichkeit eines Sabotageakts, auch die litauischen Behörden schlossen einen terroristischen Hintergrund nicht aus.
"Wir können die Möglichkeit eines Terrorakts nicht ausschließen", sagte Litauens Geheimdienstchef Darius Jauniskis. "Wir haben davor gewarnt, dass so etwas passieren könnte. Wir sehen uns einem immer aggressiveren Russland gegenüber." Noch sei es jedoch zu früh, eindeutige Schlüsse zu ziehen.
Verteidigungsminister Laurynas Kasciunas betonte, derzeit gebe es "keine Hinweise oder Beweise die nahelegen, dass es Sabotage oder ein Terrorakt war". Untersuchungen der Flugschreiber sollten Hinweise dazu ergeben, ob es sich um einen "technischen Fehler, einen Pilotenfehler oder etwas anderes handelt", sagte er. Die Ermittlungen zur Absturzursache werden laut Kasciunas "etwa eine Woche" dauern.
Regierungschefin Ingrida Symonite rief in Onlinenetzwerken dazu auf, trotz des "derzeitigen geopolitischen Umfelds" keine "voreiligen Schlüsse zu ziehen", solange die Ermittlungen noch liefen. Staatschef Gitanas Nauseda besuchte die Absturzstelle.
Bundesaußenministerin Baerbock schloss einen Sabotageakt ebenfalls nicht aus - und verwies auf Vorfälle der vergangenen Tage. "Alleine, dass wir gemeinsam mit unseren litauischen und spanischen Partnern uns jetzt ernsthaft fragen müssen, ob das ein Unfall war oder nach letzter Woche erneut ein hybrider Vorfall, zeigt, in was für volatilen Zeiten (...) wir gerade leben", sagte Baerbock beim G7-Außenministertreffen im mittelitalienischen Fiuggi.
Zuletzt hätten sich in Europa "mehrfach" hybride Angriffe ereignet -"auf individuelle Personen, auf Infrastruktur - sei es unter Wasser, sei es harte Infrastruktur", sagte Baerbock. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte in Berlin indes, seinem Haus lägen bislang "keine Hinweise auf einen Sprengsatz und seine Herkunft" vor.
In der vergangenen Woche waren binnen 48 Stunden Schäden sowohl an einem Telekommunikationskabel zwischen Deutschland und Finnland als auch an einem derartigen Kabel zwischen Schweden und Litauen bekannt geworden. Behörden mehrerer EU-Staaten ermitteln wegen mutmaßlicher Sabotage.
Anfang November waren zudem nach Paketbränden in Post-Depots in Europa mehrere Verdächtige in Litauen festgenommen worden. Laut Staatsanwaltschaft werden sie verdächtigt, am Versand von Paketen mit Brandsätzen in mehrere westliche Länder beteiligt gewesen zu sein. Der nationale Sicherheitsberater des baltischen Landes machte Russland für die Vorfälle verantwortlich.
Vor einem Monat hatte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, berichtet, dass Deutschland im Juli bei einem womöglich von Russland initiierten Brand eines Luftfrachtpakets in Leipzig nur knapp einem Flugzeugabsturz entgangen sei. Ihm zufolge war es reiner Zufall, dass das Paket am Boden und nicht während des Fluges in Brand geraten war - sonst wäre ein Absturz wohl unvermeidlich gewesen. Die Bundesanwaltschaft ermittelt in dem Fall.
Auch in Großbritannien brannte im Juli ein Paket in einem DHL-Warenlager. In Polen setzte ein Paket laut Medienberichten einen DHL-Lkw in Brand. Der britische Geheimdienstchef Ken McCallum warnte Anfang Oktober vor russischen Sabotageakten und Brandstiftungen. Moskau wolle in den Unterstützerländern der Ukraine "Chaos" stiften, sagte McCallum.
Nach Angaben der litauischen Polizei rutschte die am Montag verunglückte Maschine mehrere hundert Meter weit über den Boden und krachte in mehrere Häuser. In einem Wohnhaus brach Feuer aus. Dessen Bewohner konnten nach Angaben des Katastrophenschutzes in Sicherheit gebracht werden.
Laut Polizei kam das bei dem Absturz getötete Besatzungsmitglied aus Spanien, die drei übrigen kommen demnach aus Deutschland, Spanien und Litauen. Einer der Verletzten befinde sich in einem "sehr ernsten Zustand", teilte eine Sprecherin des Universitätskrankenhauses von Vilnus mit. Sie machte keine Angaben zur Nationalität dieses Verletzten.
DHL erklärte, das abgestürzte Flugzeug sei im Auftrag von DHL von ihrem Servicepartner Swift Air betrieben worden. Etwa einen Kilometer vor dem Flughafen der litauischen Hauptstadt habe das Flugzeug "eine Notlandung durchgeführt". Die Ursache des Unglücks sei noch unklar. Das Flugzeug transportierte Post für verschiedene Kunden.
Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums sollten noch am Montag Ermittler der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung nach Litauen reisen. Diese würden "ab heute Abend" vor Ort im Einsatz sein, sagte ein Ministeriumssprecher.
Z.AlNajjar--SF-PST