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Hisbollah feuert 250 Geschosse auf Israel ab - Nach israelischen Angriffen auf Libanon
Die Kämpfe zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz sind am Wochenende mit unverminderter Härte fortgesetzt worden. Die pro-iranische Hisbollah feuerte am Sonntag nach israelischen Armeeangaben insgesamt rund 250 Geschosse auf Israel ab. Am Samstag waren bei israelischen Angriffen auf Ziele im Libanon nach libanesischen Angaben mehr als 80 Menschen getötet worden. Im Gazastreifen meldete die von der Hamas kontrollierte Zivilschutzbehörde nach israelischem Beschuss weitere Todesopfer.
Die Hisbollah überzog nach eigenen Angaben Israel mit Drohnen- und Raketenangriffen. Die Ziele waren militärische Anlagen, unter ihnen der Stützpunkt Glilot nahe Tel Aviv. In Glilot befindet sich das Hauptquartier der für geheimdienstliche Aufklärung zuständigen Einheit 8200 der israelischen Armee.
In einer weiteren Mitteilung der Miliz hieß es, mehrere Kampfdrohnen seien "erstmals" auch in Richtung eines israelischen Marinestützpunkts in der südisraelischen Hafenstadt Aschdod abgefeuert worden. Die Hisbollah erklärte außerdem, sie habe am Sonntag im Südlibanon sechs israelische Panzer zerstört.
Die israelische Armee erklärte am Sonntagabend, im Laufe des Tages habe die Hisbollah rund 250 Geschosse auf Israel abgefeuert. Einige davon seien abgefangen worden. Die Armee kommentierte die Angaben der Hisbollah zu den Zielen der Angriffe nicht, meldete aber Luftalarm in mehreren Gebieten im Zentrum und im Norden Israels, unter anderem in Vororten von Tel Aviv. Ihren bislang größten Angriff hatte die Hisbollah nach israelischen Angaben am 24. September ausgeführt, als sie 350 Geschosse Richtung Israel abfeuerte.
Nach Angaben von Gesundheitsdiensten wurden infolge des Hisbollah-Beschusses am Sonntag elf Menschen verletzt, einer davon "mittelschwer bis schwer". Wie aus in Petach Tikwa nahe Tel Aviv aufgenommenen AFP-Bildern hervorgeht, brannten dort mehrere Autos oder wurden schwer beschädigt, ein Haus wurde durch Geschosssplitter beschädigt.
Die israelische Armee flog ihrerseits am Wochenende weitere Angriffe auf Ziele in verschiedenen Gebieten des Libanon. Am Sonntag meldete die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA zwei "heftige" israelische Luftangriffe auf den südlichen Beiruter Vorort Kafaat, auf AFP-Bildern war dort aufsteigender grauer Rauch zu sehen. Später meldete die NNA mehrere weitere israelische Angriffe auf den Süden Beiruts. Israels Armee hatte zuvor angekündigt, Einrichtungen der Hisbollah in der Gegend anzugreifen.
Am Samstag waren bei israelischen Angriffen auf Beirut und andere Regionen nach libanesischen Angaben insgesamt 84 Menschen getötet worden. So hatte die israelische Armee ein achtstöckiges Wohngebäude im Viertel Basta im Zentrum der Hauptstadt Beirut beschossen, allein dort stieg die Zahl der Todesopfer am Sonntag auf 29, zudem wurden 67 Menschen verletzt, wie das libanesische Gesundheitsministerium mitteilte. Unter den Trümmern wurde demnach weiter nach Opfern gesucht.
Während die israelische Armee am Sonntag online auf Arabisch Evakuierungsaufforderungen für Gebiete im Süden Beiruts veröffentlichte, hatte sie dies vor dem Angriff auf das Gebäude in Basta nicht getan. Vergangene israelische Angriffe ohne vorherige Warnungen an die Zivilbevölkerung hatten hochrangigen Hisbollah-Mitgliedern gegolten.
Aus libanesischen Sicherheitskreisen hatte es gegenüber AFP geheißen, auch dieser israelische Angriff habe einem hochrangigen Hisbollah-Mitglied gegolten, der Hisbollah-Abgeordnete Amin Scherri bestritt dies aber.
Nach dem Großangriff der verbündeten islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 hatte die Hisbollah mit regelmäßigen Raketenangriffen vom Libanon aus eine zweite Front gegen Israel eröffnet. Infolge der permanenten Angriffe wurden rund 60.000 Menschen im Norden Israels aus ihren Häusern vertrieben. Als Reaktion beschoss Israel seinerseits Hisbollah-Ziele im Nachbarland.
Seit September hat die israelische Armee ihre Angriffe auf Hisbollah-Ziele im Libanon deutlich verstärkt. Zudem startete sie Ende September Bodeneinsätze gegen Stellungen der Miliz im Südlibanon. Jüngsten Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums zufolge wurden seit Oktober 2023 im Land mindestens 3750 Menschen getötet, die meisten davon seit September.
Am Sonntag besuchte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell Beirut. Borrell forderte nach Gesprächen mit dem libanesischen Regierungschef Nadschib Mikati und dem der Hisbollah nahestehenden Parlamentspräsidenten Nabih Berri eine "sofortige Feuerpause" und warnte, der Libanon befinde sich "am Rand des Zusammenbruchs".
Im Gazastreifen nahm die israelische Armee unterdessen weitere Ziele unter Beschuss. Am Samstag wurden in den frühen Morgenstunden bei Luftangriffen und durch Panzerbeschuss nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Zivilschutzbehörde 19 Menschen getötet und 40 weitere verletzt. Am Sonntag berichtete die Behörde über weitere elf durch israelische Angriffe Getötete.
Der Krieg im Gazastreifen war durch den brutalen Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden. Nach israelischen Angaben wurden dabei insgesamt 1206 Menschen getötet, viele wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Als Reaktion griff Israel Ziele im Gazastreifen an. Nach jüngsten Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden bislang mehr als 44.200 Menschen im Gazastreifen getötet.
R.Halabi--SF-PST