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Kämpfe, Proteste und Waffenruhe-Verhandlungen: Gaza-Krieg geht in zehnten Monat
Mit neuen Kämpfen ist der Krieg zwischen Israel und der Hamas am Sonntag in seinen zehnten Monat gegangen. Palästinensische Behörden, deren Angaben nicht überprüft werden können, meldeten am Wochenende den Tod von mehreren dutzend Menschen bei israelischen Luftangriffen in verschiedenen Teilen des Gazastreifens. In Israel wurde derweil bei Demonstrationen ein Abkommen mit der Hamas zur Befreiung der Geiseln gefordert. Die Verhandlungen für eine Waffenruhe und Geiselbefreiung sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden.
Der Palästinensische Rote Halbmond gab am Sonntag den Tod von sechs Menschen bekannt, darunter zwei kleine Kinder, die bei einem israelischen Angriff auf ein Haus in der Ortschaft Sawaida im Zentrum des Palästinensergebiets ums Leben kamen. Neun weitere Menschen wurden nach Angaben von Rettungskräften bei Angriffen in der Stadt Gaza getötet.
Auch das Flüchtlingslager Nuseirat wurde wieder bombardiert. Am Samstag waren dort nach von unabhängiger Seite nicht überprüfbaren Hamas-Angaben 16 Menschen bei einem Angriff auf eine Schule getötet worden, in der tausende Geflüchtete untergebracht waren. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP sahen, wie mehrere Kinder in ein Krankenhaus gebracht wurden. Das von der radikalislamischen Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium im Gazastreifen erklärte am Samstag, in den vergangenen 48 Stunden seien mindestens 87 Menschen getötet worden.
In Tel Aviv blockierten Demonstranten am Sonntag den zweiten Tag in Folge Straßen, um die israelische Regierung zu einem Abkommen mit der Hamas zur Befreiung der Geiseln zu bewegen. Die landesweite Protestaktion begann um 06.29 Uhr (Ortszeit; 05.29 Uhr MESZ) - der Uhrzeit des Beginns der Angriffe der Hamas auf Israel vor genau neun Monaten, die den Gaza-Krieg auslösten.
Fahnenschwenkende Demonstranten hielten an einer Kreuzung in Tel Aviv den Verkehr auf. Sie forderten Neuwahlen und mehr Anstrengungen hinsichtlich einer Befreiung der von der Hamas in den Gazastreifen verschleppten Geiseln. In der Nacht zum Sonntag war es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen, die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer ein.
"Wir bringen das Land zum Stillstand, um unserer Regierung zu sagen, dass es inakzeptabel ist, kein Abkommen zur Befreiung der Geiseln zu akzeptieren", sagte die 57-jährige Demonstrantin Orly Nativ aus Tel Aviv am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. In Israel wird bereits seit Wochen gegen die Regierung demonstriert.
Einige Angehörige von Geiseln zeigten sich indes nach den jüngsten Verhandlungen um eine Waffenruhe und Befreiung der Geiseln zwischen Israel und der rechtsradikalen Hamas hoffnungsvoll. "Zum ersten Mal haben wir das Gefühl, dass die Rückkehr unserer Angehörigen näher gerückt ist als je zuvor", sagte Sachar Mor, ein Verwandter einer Geisel, bei einer Demonstration am Samstag. "Das ist eine Chance, die wir nicht verpassen dürfen."
Die Verhandlungen im Ringen um eine Waffenruhe sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Israel erklärte am Freitag, es werde erneut eine Delegation nach Doha schicken. Zuvor hatte ein hochrangiger US-Beamter verlauten lassen, ein neuer Vorschlag der Hamas bringe den Prozess voran und könne die Grundlage für den Abschluss des Abkommens bilden, auch wenn noch "erhebliche Arbeit" zu leisten sei. Ein Sprecher von Netanjahu betonte, es gebe noch "Gräben" zwischen den Parteien.
Die Hamas erklärte ihrerseits, sie erwarte eine rasche Antwort Israels auf ihre neuen "Ideen" zur Beendigung des Kriegs. Gleichzeitig betonte der Hamas-Funktionär Osama Hamdan, dass der militärische Flügel der Hamas weiterhin "in einer guten Verfassung" sei, um den Krieg fortzusetzen.
Am 7. Oktober hatten islamistische Kämpfer der Hamas und weiterer militanter Palästinensergruppen einen beispiellosen Angriff auf Israel verübt, der den Krieg im Gazastreifen auslöste. Bei dem Überfall waren nach israelischen Angaben 1195 Menschen brutal getötet und 251 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt worden.
Als Reaktion auf den Überfall geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums vom Sonntag, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden dabei bislang 38.150 Menschen getötet.
H.Nasr--SF-PST