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Putschversuch in Bolivien - General festgenommen
In Bolivien haben Militäreinheiten nach Angaben von Präsident Luis Arce einen Putschversuch unternommen. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP in La Paz beobachteten, wie Soldaten und Panzer am Mittwoch auf der zentralen Plaza Murillo vor dem Präsidentenpalast auffuhren. Mit einem Panzer wurde versucht, ein Metalltor des Präsidentenpalastes aufzubrechen. Später sahen AFP-Reporter, wie sich Soldaten und Panzer von dem Platz zurückzogen. Ein General wurde festgenommen.
Am Nachmittag (Ortszeit) rückten Militäreinheiten mit Panzern und anderen gepanzerten Fahrzeugen bis vor den Präsidentenpalast vor. Umgeben von Soldaten und mehreren Panzern sagte der inzwischen entlassene Oberbefehlshaber der bolivianischen Armee, Juan José Zúñiga, das Militär wolle die Demokratie "umstrukturieren", um sie zu einer "echten Demokratie" zu machen.
Kurz darauf beobachteten AFP-Reporter, wie sich Soldaten und Panzer von dem Platz zurückzogen. Zúñiga wurde später am Mittwoch festgenommen und in ein Polizeifahrzeug gebracht, wie Aufnahmen des staatlichen Fernsehens zeigten.
Präsident Arce sagte vor hunderten Anhängern, "niemand kann uns die Demokratie wegnehmen, die wir errungen haben". Zuvor hatte er die Menschen in dem südamerikanischen Land dazu aufgerufen, "sich gegen den Staatsstreich zu wehren und für die Demokratie zu mobilisieren". Arce vereidigte zudem eine neue Militärführung und entließ Zúñiga.
In Bolivien war bereits über eine Absetzung des seit 2022 im Amt befindlichen Zúñiga spekuliert worden. Der General hatte zuvor angekündigt, er werde den früheren bolivianischen Präsidenten Evo Morales festnehmen, falls dieser wie angekündigt darauf bestehe, bei der Präsidentschaftswahl 2025 zu kandidieren. Der von 2006 bis 2019 amtierende und im Zuge von Massendemonstrationen zurückgetretene Morales war Ende Dezember 2023 von der Wahl ausgeschlossen worden.
Morales schrieb im Onlinedienst X, ehemals Twitter, es braue sich ein Staatsstreich zusammen. Er rief zu einer "nationalen Mobilisierung zur Verteidigung der Demokratie" auf.
Die Administration von US-Präsident Joe Biden erklärte, die Ereignisse in Bolivien genau zu beobachten und rufe zur Ruhe auf, sagte ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats. Zahlreiche Länder in Lateinamerika verurteilten die Truppenbewegungen in Bolivien. Staatenlenker aus Chile, Ecuador, Peru, Mexiko, Kolumbien und Venezuela riefen dazu auf, die Demokratie zu respektieren.
Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva schrieb auf X, er sei ein Freund der Demokratie und wolle, dass es sie in ganz Lateinamerika gebe. "Wir verurteilen jede Form des Staatsstreichs in Bolivien", fuhr er fort. Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez rief dazu auf, die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit zu respektieren.
Bolivien ist nach Jahren politischer Instabilität tief polarisiert. Die Regierungspartei MAS ist durch einen internen Konflikt zwischen Anhängern von Arce und seinem ehemaligen Mentor Morales gespalten. Morales, der erste indigene Präsident Boliviens, war sehr beliebt, ehe er versuchte, die Verfassung zu umgehen und 2019 eine vierte Amtszeit anzustreben.
Er gewann zwar die Wahl, musste aber inmitten tödlicher Proteste wegen Wahlbetrugsvorwürfen zurücktreten und floh aus dem Land. Nachdem Arce im Oktober 2020 die Präsidentschaftswahl gewonnen hatte, kehrte Morales zurück in das südamerikanische Land. Seitdem ist ein Machtkampf zwischen den beiden Männern entbrannt.
Q.Bulbul--SF-PST