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Lauterbach verteidigt Pläne für Gesundheitskioske
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat die geplante Einführung sogenannter Gesundheitskioske gegen Kritik verteidigt. Die Einrichtungen seien als medizinische Ansprechstellen in ansonsten ärztlich unterversorgten Gebieten auf dem Land und in strukturschwachen Vierteln der Großstädte notwendig, sagte Lauterbach am Mittwoch in Berlin. Wenn die Versorgung zusammenbreche, sei dieser Zugang besser als gar kein Angebot. Sozialverbände hatten zuvor vor hohen Kosten gewarnt.
Lauterbach zufolge droht in einigen Regionen Deutschlands in ein bis zwei Jahrzehnten eine massive Unterversorgung vor allem von Hausärzten und Psychotherapeuten. Es werde "ganze Stadtteile" geben, "wo wir keine brauchbare Versorgung mehr haben werden", sagte Lauterbach. Wenn Patientinnen und Patienten auch in kleineren und weniger dringlichen Fällen direkt die Notfallaufnahmen der Kliniken aufsuchten, drohe dort eine Überlastung. Mit dem sogenannten Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz versuche er, "die Not zu lindern".
Ein Kernbestandteil des Gesetzes ist die Einführung der Gesundheitskioske. Diese sollen von einer Pflegefachkraft geleitet werden und eine erste, niedrigschwellige Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten sein, insbesondere für Alte und chronisch Kranke. Das dortige Personal kann dann - falls nötig - Empfehlungen für eine ärztliche Behandlung, Präventionsmaßnahmen oder andere soziale Dienste aussprechen.
Die Kioske sollen dazu beitragen, dass weniger Menschen in Arztpraxen oder Krankenhäusern behandelt werden müssen. Die Kosten sollen zu 74,5 Prozent die gesetzlichen Krankenkassen tragen, zu 5,5 Prozent die private Krankenversicherung und zu 20 Prozent die Kommunen. Bisher gibt es nur einige Modellprojekte.
Die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD) Michaela Engelmeier befürchtet, dass dadurch "unnötige und kostenintensive Doppelstrukturen entstehen" könnten. "Anstatt zusätzliche Stellen zu schaffen, sollten die bestehenden Strukturen und Netzwerke gestärkt werden durch Investitionen, Ausbaumaßnahmen und engere Vernetzung", sagte Engelmeier der Zeitung "Welt" vom Mittwoch. "Zudem bindet jeder Gesundheitskiosk Fachkräfte, etwa die Leitung des Gesundheitskiosks durch eine Pflegefachkraft, die an anderer Stelle dringend benötigt werden."
Auch die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, warnte in der Zeitung: "Die Einrichtung von Gesundheitskiosken darf nicht dazu führen, dass andere Beratungsstellen wie die Suchtberatung oder die Unabhängige Patientenberatung vernachlässigt werden."
Kritik kam auch von der FDP. Der gesundheitspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Andrew Ullmann, nannte die Idee einen "massiven Kostentreiber", dessen Mehrwert in der gesundheitlichen Versorgung noch ungeklärt sei. "Eine zusätzliche Belastung der Beitragszahler und Beitragszahlerinnen lehnen wir entschieden ab. Sollten die Kioske im Kabinettsentwurf Bestand haben, werden wir in der Koalition noch viel diskutieren müssen."
P.Tamimi--SF-PST