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Mehr als 150 Verletzte bei Zusammenstößen auf Tempelberg in Jerusalem
Bei heftigen Zusammenstößen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften auf dem Tempelberg in Jerusalem sind mehr als 150 Menschen verletzt worden. Wie der Palästinensische Rote Halbmond mitteilte, wurden am Freitag 153 Menschen in Krankenhäuser gebracht. Dutzende Verletzte seien zudem auf dem Gelände behandelt worden. Augenzeugen berichteten von Steinwürfen von Palästinensern in Richtung der israelischen Sicherheitskräfte. Diese feuerten demnach mit Gummigeschossen und Schallgranaten auf die Demonstranten.
Die israelische Polizei sprach von drei Verletzten in ihren Reihen. Gegen 04.00 Uhr morgens begannen demnach "dutzende maskierte Männer", von denen einige Fahnen der bewaffneten islamistischen Hamas-Bewegung trugen, eine "Prozession" auf dem Tempelberg. Sie warfen Steine in Richtung der angrenzenden Klagemauer, der wichtigsten Gebetsstätte des Judentums, woraufhin die israelischen Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben eingriffen, um "die Ordnung wiederherzustellen". Nach Angaben einer palästinensischen Organisation zur Unterstützung von Gefangenen wurden rund 400 Menschen festgenommen.
Der Direktor der Al-Aksa-Moschee, Omar al-Kiswani, sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass auch ein israelischer "Angriff im Inneren der Al-Aksa-Moschee" stattgefunden habe. Mehr als 80 junge Menschen seien aus der heiligen Moschee vertrieben worden. Die israelische Polizei erklärte hingegen, die Moschee nicht betreten zu haben.
Die Zusammenstöße ereigneten sich nach einer Anschlagsserie mit insgesamt 14 Toten, die die Spannungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften in den vergangenen drei Wochen wieder deutlich angeheizt hatten. Nach Einsätzen der israelischen Armee im Westjordanland waren am Donnerstag drei Palästinenser getötet worden. Insgesamt starben bei der Gewalt in den vergangenen Tagen mehr als 20 Palästinenser.
Die wachsenden Spannungen fallen in den muslimischen Fastenmonat Ramadan, der sich in diesem Jahr mit dem jüdischen Pessachfest und dem christlichen Osterfest überschneidet.
Der israelische Außenminister Jair Lapid bezeichnete die "Ausschreitungen" vom Freitag als "inakzeptabel". "Das Zusammentreffen von Pessach, Ramadan und Ostern ist ein Symbol für das, was wir gemeinsam haben", betonte er. "Wir dürfen nicht zulassen, dass jemand diese heiligen Tage zu einer Plattform für Hass, Aufwiegelung und Gewalt macht."
Im vergangenen Jahr hatten Zusammenstöße auf dem Tempelberg und rund um die Al-Aksa-Moschee zu tagelangen schweren Auseinandersetzungen zwischen der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen und israelischen Sicherheitskräften geführt. Bis zum Inkrafttreten einer von Ägypten vermittelten Waffenruhe wurden 260 Palästinenser und 13 Israeli getötet.
Das Gelände mit der Moschee und dem angrenzenden Felsendom gilt als drittheiligste Stätte des Islam. Die von den Juden als Tempelberg bezeichnete Stätte wird von Jordanien verwaltet, doch Israel kontrolliert die Zugänge. Wegen der befürchteten erneuten Eskalation hatten israelische und jordanische Beamte eigentlich vor Beginn des Ramadan verstärkt Gespräche geführt, wie sich Zusammenstöße zwischen Palästinensern und Sicherheitskräften verhindern ließen.
L.AbuAli--SF-PST