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Krisenstimmung beim synodalen Weg nach Ablehnung von Grundlagentext
Durch die Ablehnung eines wichtigen Grundlagentexts zur Sexualethik durch Teile der deutschen Bischofskonferenz ist der mit großen Reformhoffnungen verbundene synodale Weg innerhalb der katholische Kirche zwischenzeitlich an den Rand des Scheiterns geraten. Nach der überraschenden Blockade am Donnerstagabend herrschte Krisenstimmung, auch ein möglicher Abbruch des Formats durch Vertreter katholischer Laien schien möglich. Nach der Bestätigung eines weiteren zentralen Grundlagentexts zur Rolle von Frauen in der Kirche am Freitagabend entspannte sich die Lage zunächst wieder.
Die Möglichkeit eines Scheiterns des synodalen Wegs stehe eindeutig "im Raum", hatte die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, nach der ersten Abstimmung im Laufe des Freitags vor Journalisten betont. Sie kritisierte "heimliche Blockierer" unter den Bischöfen und betonte, das weitere Abstimmungsverhalten sei nun entscheidend.
Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, hatte am Freitag von einer durch das Abstimmungsverhalten einiger Bischöfe verursachten "Krise" gesprochen und seine Amtskollegen an ihre "Verantwortung" erinnert. Bischöfe, die ihre ablehnende Haltung im Vorfeld offen artikuliert hätten, seien nicht das Problem. "Die, die es nicht tun, sind das Problem", fügte er an. Er sei aufgrund vorheriger Äußerungen von einer Zustimmung zu dem Text ausgegangen.
Der ursprünglich als eine Reaktion auf kirchliche Missbrauchsskandale ins Leben gerufene synodale Weg strebt grundlegende Reformen der katholischen Kirche an, unter anderem mit Blick auf das Priesteramt und die Mitwirkung von Laien. Vertreter des Klerus und von katholischen Laienorganisationen arbeiten in dem Diskussionsformat gemeinsam an der Entwicklung eines neuen theologischen Verständnisses, das Reformen in der Kirche vorantreiben soll. Die Bischofskonferenz und das ZdK sind die wesentlichen Träger des Prozesses.
Noch bis Samstag tagen die mehr als 200 Delegierten in Frankfurt am Main bei der vierten von fünf geplanten Synodalversammlungen. Am Donnerstag war ein Basistext zur Sexualethik, etwa mit Blick auf Homosexualität und Geschlechteridentität, von der Synodalversammlung zwar mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit angenommen worden, zugleich allerdings an fehlenden Stimmen aus den Reihen der anwesenden Bischöfe gescheitert. Von diesen müssen parallel ebenfalls zwei Drittel zustimmen.
Als problematisch wurde dabei vor allem angesehen, dass der theologisch-pastorale Grundlagentext, der eine Art Basis für konkrete Veränderungsinitiativen bilden soll, zuvor in gemeinsamer Gremienarbeit über längere Zeit bis zur vermeintlichen Konsensreife entwickelt worden war. Stetter-Karp warf Bischöfen daraufhin am Freitag vor, nicht offen zu agieren, um dann "in Abstimmungen auf rote Knöpfe" zu drücken. Die Stimmung bei der Versammlung war streckenweise emotional und angespannt.
Die Vertreter der Bischöfe hatten sich bereits nach der Abstimmung am Donnerstagabend zu Beratungen und einer Aussprache hinter verschlossenen Türen zurückgezogen, vor der Abstimmung über den Grundlagentext am Freitag versammelte sich die Bischofskonferenz erneut zu einer Beratung. Bei der Abstimmung fand das Papier, in dem es um grundlegende theologische Erwägungen zur Rolle von Frauen in Kirchenämtern geht, die nötigen Mehrheiten. Die Geschehnisse vom Vortag wiederholten sich nicht.
Angesichts eines dramatischen Mitgliederschwunds und einer tiefen Vertrauenskrise in die Institution Kirche gilt der synodale Weg für Befürworter als wichtige Säule einer Strategie der Erneuerung der katholischen Kirche unter Einbindung der Gläubigen. Er ist aber in der Kirche umstritten, die Bischofskonferenz in Fragen möglicher Reformen tief gespalten. Auch der Vatikan wies die deutschen Bestrebungen nach Veränderungen zuletzt deutlich in Schranken. Im Juli warnte Rom vor einer Bedrohung der Einheit der weltweiten Kirche.
G.AbuHamad--SF-PST