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UNO: Über 50.000 Vermisste nach Erdbeben in Venezuela - Helfer aus dem Ausland gelandet
Mindestens 920 Tote und mehr als 50.000 Vermisste: Nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben in Venezuela sei "die Suche in den Trümmern" der eingestürzten Häuser eine "kolossale Aufgabe", sagte der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Mit schwerem Gerät sowie mit bloßen Händen suchten Helfer in einem Rennen gegen die Zeit nach Überlebenden. Erste Helfer aus dem Ausland trafen in dem südamerikanischen Land ein.
"Mehr als 50.000 Menschen werden vermisst", sagte Fletcher. Es handele sich "um eine extrem komplexe Rettungsaktion". Die Behörden gaben die Zahl der Toten am Freitag mit mindestens 920 an. Zuvor hatte Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez von mindestens 589 Toten gesprochen. Die Zahl der Verletzten hatte die Regierung am Donnerstagabend mit 4300 angegeben.
Laut dem UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten (Ocha) waren Rettungsteams aus mindestens 17 Ländern unterwegs in die Krisenregion oder trafen bereits vor Ort ein. "Was wir derzeit erleben, ist auch eine internationale Mobilisierung von ihrer besten Seite", sagte Ocha-Sprecher Jens Laerke.
Mit Blick auf die seit Jahren in Venezuela herrschende tiefe politische, wirtschaftliche und humanitäre Krise riefen die UNO und Hilfsorganisationen zu Solidarität mit den 30 Millionen Menschen in dem Land auf, um eine noch schlimmere humanitäre Krise zu verhindern.
Im besonders schwer betroffenen Badeort La Guaira an der venezolanischen Karibikküste grub Amparo del Giudice auf der Suche nach ihrem Sohn mit bloßen Händen in den Schuttmassen. Im Ort Catia la Mar mussten Anwohner hilflos mitanhören, wie ein junges Mädchen stundenlang um Hilfe rief, bis es schließlich unter den Trümmern starb.
Im gleichen Ort schilderte Antonio Bermudez, eine Bewohnerin aus dem elften Stock seines Wohnhauses habe auf seine Rufe geantwortet: "Aber wir haben kein Gerät, wir haben keine Möglichkeit, ihr zu helfen", klagte er.
Ein venezolanischer Rettungsmitarbeiter sagte AFP, in dem Land fehle es an ausgebildeten Helfern und schwerem Gerät, um die Trümmer zu räumen.
Übergangspräsidentin Rodríguez erklärte die Region um La Guaira zum Katastrophengebiet. In der Stadt kam es zu Plünderungen, AFP-Reporter beobachteten, wie Menschen mit vollen Taschen aus einem teilweise niedergebrannten Supermarkt liefen.
Rund 160 Rettungskräfte aus der Schweiz und Mexiko landeten nach Berichten des venezolanischen Fernsehens auf einem Militärflugplatz nahe Caracas, um bei den Such- und Rettungsarbeiten zu helfen. Auch aus Chile, Kolumbien, El Salvador, Italien und den USA trafen bereits Teams ein.
Eine erste Bundeswehr-Maschine mit Material und Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks (THW) an Bord startete am Freitag vom Fliegerhorst Wunstorf aus in die Krisenregion. Im Laufe des Tages sollten drei weitere Flugzeuge nach Venezuela aufbrechen, darunter eines, das auf den Transport von Verletzten spezialisiert ist. Wie ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte, sollen mit den Maschinen insgesamt 75 bis 80 Helfer, darunter vor allem THW-Mitarbeiter, und etwa 30 Tonnen Material in das südamerikanische Land gebracht werden.
Das THW erklärte, ein 48-köpfiges Team einer auf Erdbeben-Einsätze spezialisierten Bergungseinheit sei auf dem Weg nach Venezuela. Mit an Bord waren demnach auch vier Suchhunde-Teams. Ziel sei es, Überlebende in den Trümmern aufzuspüren. Aus den Niederlanden brachen 65 Mitglieder einer Such- und Rettungseinheit mit acht Spürhunden in Richtung Venezuela auf.
Derzeit ist noch unklar, ob Deutsche unter den Opfern in Venezuela sind. Wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, ist eine niedrige dreistellige Zahl an Deutschen in Venezuela auf der Krisenvorsorgeliste des Minnisteriums registriert.
Die US-Armee kündigte die Entsendung von Kriegsschiffen, Flugzeugen und Hubschraubern zur Unterstützung an. Das US-Außenministerium sagte eine Nothilfe in Höhe von 150 Millionen Dollar (rund 132 Millionen Euro) zu. Zudem hob die US-Regierung für vier Monate eine Reihe von Sanktionen gegen Venezuela auf. Alle Transaktionen im Zusammenhang mit den Hilfsmaßnahmen für Venezuela seien bis zum 23. Oktober genehmigt, erklärte das US-Finanzministerium.
Das verheerende Doppel-Beben hatte sich am Mittwochabend im Abstand von nur 39 Sekunden westlich der Hauptstadt Caracas ereignet. Die beiden Erdstöße hatten eine Stärke von 7,2 und 7,5, in den folgenden Stunden wurden dutzende Nachbeben registriert. Zahlreiche Gebäude stürzten ein oder wurden schwer beschädigt.
Q.Jaber--SF-PST