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Mindestens 188 Tote bei Erdbeben in Venezuela - Internationale Hilfe läuft an
Verzweifelte Suche nach Überlebenden und Warten auf internationale Hilfe: Venezuela kämpft mit den Folgen der schwersten Erdbeben seit mehr als 125 Jahren. Die Opferzahl erhöhte sich am Donnerstag nach Angaben von Parlamentspräsident Jorge Rodríguez auf mindestens 188 Tote. Zudem gebe es mehr als 1500 Verletzte. Deutschland, die USA und zahlreiche weitere Länder starteten Hilfsaktionen für das südamerikanische Land.
Die Erdstöße der Stärke 7,2 und 7,5 hatten sich nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS am Mittwochabend Ortszeit im Abstand von nur 39 Sekunden in der selben Region westlich der Hauptstadt Caracas ereignet. In den folgenden Stunden wurden nach Angaben von Übergangspräsidentin Rodríguez rund 30 Nachbeben registriert. Viele Gebäude stürzten ein oder wurden schwer beschädigt.
Zahlreiche Menschen flüchteten in Panik aus ihren Häusern und verbrachten die Nacht aus Angst vor weiteren Erdstößen im Freien. Überlebende und Rettungskräfte suchten in den Trümmern nach Überlebenden und weiteren Opfern.
"Die Treppe brach weg, die ganze Wand bekam Risse, Dinge fielen von der Decke", berichtete die 54-jährige Bankangestellte Odalis Escalona aus Caracas über den Moment der Beben. "Es war einfach schrecklich." Ein AFP-Reporter sah ein vollständig eingestürztes 22-stöckiges Hochhaus im Stadtteil Altamira. Vor den Trümmern standen verzweifelte Menschen und riefen nach ihren vermissten Angehörigen.
In der Küstenstadt Catia la Mar in der besonders betroffenen Region La Guaira stand Larry Rojas fassungslos vor den Überresten seines eingestürzten Hauses. "Wir haben nichts, wir haben gar nichts mehr - nicht einmal die Kraft, da reinzugehen", sagte der 49-Jährige. In der Stadt stürzten dutzende Wohngebäude ein, andere hatten tiefe Risse oder fehlende Wände.
"Mein Haus ist komplett eingestürzt", sagte ein anderer Bewohner der Stadt, Jean Alexander Capote. Seine Schwiegermutter sei ums Leben gekommen und seine Tochter werde vermisst. "Wir brauchen schnell Hilfe", betonte er.
In Catia la Mar kam es nach den Beben zu Plünderungen. AFP-Reporter beobachteten, wie eine Gruppe Menschen ein ausgebranntes Lebensmittelgeschäft mit Taschen voller Waren verließ.
Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez rief den Ausnahmezustand aus. Am Nachmittag reiste sie nach Angaben von Parlamentspräsident Rodríguez nach La Guaira.
Der Übergangspräsidentin zufolge waren von den Vereinten Nationen koordinierte Rettungsteams auf dem Weg in das südamerikanische Land, um bei den Such- und Rettungsarbeiten zu helfen. Allerdings wurde der internationale Flughafen von Caracas schwer beschädigt und musste geschlossen werden, was die internationale Hilfe erschweren dürfte.
Der Chef des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten (Ocha), Tom Fletcher, forderte eine "massive kollektive Anstrengung", um Venezuela zu helfen. Schon vor der Katastrophe seien in dem Land fast acht Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen gewesen, betonte Fletcher.
"Deutschland steht an der Seite Venezuelas und wird helfen", erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Onlinedienst X. Laut Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) stand die Bundeswehr mit sechs Transportflugzeugen A400M bereit, um in Venezuela Hilfe zu leisten.
Im Auswärtigen Amt fand eine Sitzung des Krisenstabs der Bundesregierung statt. Noch am Donnerstag sollten nach Angaben des Außenministeriums Vorab-Teams des Technischen Hilfswerks (THW) und anderer Hilfsorganisationen "zur genaueren Lageabklärung" in die Region aufbrechen.
Den deutschen Behörden lagen am Abend keine Hinweise auf deutsche Opfer vor. Allerdings sei "die Lage noch unübersichtlich", hieß es aus Regierungskreisen in Berlin. "Wir prüfen noch die Lage." Vom Personal der deutschen Botschaft in der venezolanischen Hauptstadt Caracas seien alle wohlauf.
Auch die USA kündigten die sofortige Entsendung von Rettungskräften und Hilfsgütern an. Die Unterstützung werde "groß, schnell und effektiv" sein, erklärte Außenminister Marco Rubio.
Aus der Schweiz sollte nach Regierungsangaben ein 80-köpfigen Teams von Rettungshelfern und acht Spürhunden nach Venezuela aufbrechen. Zudem sollten 18 Tonnen Hilfsgüter in das Land geflogen werden.
Frankreich und Spanien kündigten ebenfalls die Entsendung von dutzenden Rettungskräften an. Auch der Iran und China sagten Venezuela Unterstützung zu. Hilfsangebote erhielt die Regierung in Caracas auch von zahlreichen lateinamerikanischen Ländern.
Die Leiterin des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Caracas, Anja Dargatz, sagte der ARD, es komme nun darauf an, dass die Hilfe "vernünftig verteilt wird" und nicht "Spielball politischer Ränkespiele" werde. "Jetzt heißt es wirklich erstmal aufräumen und wieder aufbauen", sagte Dargatz.
Laut US-Erdbebenwarte war das zweite Beben mit einer Stärke von 7,5 der schwerste Erdstoß in Venezuela seit mehr als 125 Jahren: Im Oktober 1900 hatte ein Erdstoß der Stärke 7,7 das Land erschüttert und massive Schäden angerichtet.
Die Erdstöße waren am Mittwochabend bis in die mehr als tausend Kilometer entfernte kolumbianische Hauptstadt Bogotá zu spüren. Dort schrillten Sirenen, Bewohner liefen sicherheitshalber ins Freie. Die nationale Erdbebenwarte des Landes erhielt nach eigenen Angaben mehr als 200 Meldungen aus der Bevölkerung.
O.Farraj--SF-PST