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Westliche Staaten wollen gegen Nahrungsmittelknappheit wegen Ukraine-Krieg vorgehen
Die westlichen Verbündeten wollen den drohenden Nahrungsmangel in Entwicklungsländern durch den Ukraine-Krieg lindern. Die befürchtete Nahrungsmittelknappheit weltweit werde "Wirklichkeit", sagte US-Präsident Joe Biden am Donnerstag nach den Gipfeln der Nato und G7-Staaten in Brüssel. Mit Kanada habe er deshalb eine Erhöhung der Getreide-Exporte verabredet. Frankreich stellte unterdessen einen "Notfallplan" zur Sicherung der Nahrungsversorgung im Nahen Osten und Nordafrika vor.
Der US-Präsident rief die anderen Länder auf, alle Beschränkungen für ihre Nahrungsmittelexporte auszusetzen. Die USA prüften zudem "umfangreiche Investitionen, um den Bedarf an humanitärer Hilfe, insbesondere an Nahrungsmittelhilfe, zu decken". Die USA kündigten an, dass sie in den nächsten fünf Jahren elf Milliarden Dollar (zehn Milliarden Euro) für die Sicherung der Nahrungsversorgung weltweit bereitstellen würden.
Der französische Präsident Emmanuel Macron forderte Moskau auf, "verantwortlich" zu handeln und die Aussaat in der Ukraine zu ermöglichen. Andernfalls werde der Krieg in zwölf bis 18 Monaten zu einer "unausweichlichen Hungersnot" führen. Es drohe eine Getreideknappheit im Nahen Osten und Nordafrika. Macron verwies dabei insbesondere auf Ägypten, das bei Getreide "zu 80 Prozent" von den beiden Kriegsländern abhänge.
Macron schlug "in Verbindung mit der Afrikanischen Union" einen "Notfallplan" für die Ernährungssicherheit auf EU- und G7-Ebene vor. Dabei gehe es um "die Freigabe von Vorräten im Krisenfall, um Engpässe zu vermeiden und Preissteigerungen zu dämpfen". Frankreich sprach sich wie Washington für "eine multilaterale Verpflichtung, keine Exportbeschränkungen für Agrarrohstoffe zu verhängen", aus.
Neben einer Koordinierung bei der Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion "ab diesem Sommer" schlug Frankreich zudem einen "Mechanismus für die Zuteilung" von Lebensmitteln "in ausreichenden Mengen und zu angemessenen Preisen" an die "am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen" vor. Vorbild könne die Initiative zur Verteilung von Corona-Impfstoffen an die Entwicklungsländer sein. Schließlich rief Macron dazu auf, die Investitionen in den am stärksten gefährdeten Ländern in "nachhaltige Nahrungsmittelproduktion und die landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten deutlich zu erhöhen".
Die EU hat bislang 2,5 Milliarden Euro für die Jahre 2021 bis 2024 für ein Programm zur internationalen Zusammenarbeit im Bereich Ernährung vorgesehen.
Die Ukraine und Russland stehen für rund 30 Prozent der Getreide-Exporte weltweit. Wegen der Kämpfe und geschlossener Häfen in der Ukraine sowie aufgrund der Sanktionen gegen Russland sind die Lieferungen drastisch eingebrochen. Die größten Importeure von Getreide aus Russland und der Ukraine sind aber vor allem bevölkerungsreiche Länder wie Ägypten, Türkei, Bangladesch und Nigeria. Hilfsorganisationen warnen, dass die steigenden Lebensmittelpreise in den betroffenen Ländern zu politischer Instabilität führen könnte.
G.AbuGhazaleh--SF-PST