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Anklage: Boris Becker nutzte Geschäftskonto als "Sparschwein" für Einkaufsbummel
Der in London vor Gericht stehende Boris Becker hat sein Geschäftskonto nach Angaben der Staatsanwaltschaft als "Sparschwein" für teure Einkaufstouren und Schulgebühren genutzt. Trotz seiner finanziellen Probleme habe Becker viele hundert Pfund im Londoner Luxuskaufhaus Harrods ausgegeben und sich Designer-Kleidung gegönnt, sagte Staatsanwältin Rebecca Chalkley am Dienstag vor den Geschworenen. Der 54-Jährige muss sich seit Montag wegen Insolvenzverschleppung vor Gericht verantworten.
Die Staatsanwaltschaft wirft Becker vor, in einem Insolvenzverfahren in seiner Wahlheimat Großbritannien Vermögenswerte unterschlagen und Informationspflichten nicht eingehalten zu haben. Ihm drohen bis zu sieben Jahre Haft. Ein Konkursgericht in London hatte den dreimaligen Wimbledon-Sieger im Juni 2017 wegen unbeglichener Schulden für zahlungsunfähig erklärt. Seine Außenstände wurden damals auf bis zu 50 Millionen Pfund (59 Millionen Euro) geschätzt.
In 24 Anklagepunkten wird Becker nun vorgeworfen, in dem Insolvenzverfahren unter anderem mehrere Pokale zurückgehalten zu haben, darunter die Trophäe für seinen ersten Wimbledon-Sieg 1985. Zudem soll er Immobilien, Aktien und Bankguthaben verschwiegen und große Summen unter anderem auf Konten seiner Ex-Frauen Barbara und Lilly Becker überwiesen haben.
Unter anderem soll Becker Einnahmen in Höhe von 1,13 Millionen Euro aus dem Verkauf eines Mercedes-Autohauses in Deutschland verschwiegen haben, die auf ein Firmenkonto überwiesen wurden. Becker habe dieses Konto als Ergänzung seines eigenen Kontos genutzt, "tatsächlich als sein eigenes Sparschwein, für alltägliche Ausgaben wie Schulgebühren für die Kinder und ähnliches", sagte Staatsanwältin Chalkley.
Ihren Angaben zufolge wurden von dem Konto im Jahr 2017 Rechnungen über 643 Pfund des Modehauses Polo Ralph Lauren, 7600 Pfund für Schulgebühren und 976 Pfund für Einkäufe im Luxuskaufhaus Harrods beglichen. Zudem sollen 300.000 Euro auf sein eigenes Konto überwiesen worden sein. Weitere Summen gingen auf ein Konto, das Becker und seinem Sohn Noah gehörte.
Der einstige Tennis-Star weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Der Prozess wird voraussichtlich drei Wochen dauern. Becker erschien in Begleitung seiner Partnerin Lilian de Carvalho Monteiro vor Gericht.
Während seiner aktiven Sportlerkarriere hatte Becker 49 Titel gewonnen und Preisgelder von mehr als 20 Millionen Euro kassiert. Unvergessen ist sein erster Wimbledon-Sieg 1985 im Alter von 17 Jahren. Er wurde damit zum jüngsten Einzel-Sieger des prestigeträchtigsten Turniers.
F.AbuShamala--SF-PST